Zehn Thesen zur Arbeit der Zukunft

Alle reden über neue Arbeitsformen, über Wettbewerbsfähigkeit, Digitalisierung und agiles Miteinander. Deutsche Konzerne sind bemüht darin, die richtigen Leute für die Zukunft zu rekrutieren. Es wird geschult, geforscht, gestritten. Dabei könnte alles so einfach sein. Wenn jeder bei sich anfangen würde, an seinem Verhalten, seinem Denken und Handeln – und darüber reflektieren könnte, dann wäre die Zukunft vieler großer Unternehmen gesichert. Nichts ist so beständig wie der Wandel. Warum Arbeit in Konzernen attraktiver werden muss?

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  1. Fehlende Wertschätzung

    Mitarbeiter-Bashing, Chef-Lästern, wenig wertschätzender Umgang miteinander: Entwertungen sind in deutschen Konzernen an der Tagesordnung. Wer sich als Mitarbeiter in seinen Bedürfnissen nicht wahrgenommen fühlt, klinkt sich über kurz oder lang aus.

  2. Kaum Austausch

    Frauen und Männer dürfen sich zu selten ganz offen über Lernerfahrungen austauschen, die die unterschiedlich gelebten Lebensmodelle mit sich bringen: Wie schaffen andere die Belastung in der „rush hour“ des Lebens? Ein Phänomen, das nicht nur die Arbeit in Konzernen, sondern auch die in mittelständischen Unternehmen häufig kennzeichnet.

  3. Macht-Posing

    Respektlose Kommunikationskultur, laute Machtreden, schnelles Abhaken von Power-Point-Punkten – darauf haben viele hochqualifizierte Mitarbeiter keine Lust.

  4. 24/7 statt agiles Arbeiten

    Führung in Teilzeit oder Mobile Working ist für viele Manager immer noch ein rotes Tuch – für moderne Menschen aber eine Chance, um Familie und Karriere zu verbinden. Gleichzeitig braucht es Führungskräfte, die Mitarbeiter im agilen Arbeiten gut begleiten.

  5. Unklarheit

    Oft fehlt den Mitarbeitern das „big picture“, die Vision, im Unternehmen. Nur wer weiß, wohin alle wollen und sollen, übersteht schwierige Tage gelassen – und bleibt produktiv. Es braucht Kommunikation von oben, warum was und wie gewünscht ist.

  6. Kein Vertrauen in HR

    Viele Mitarbeiter fühlen sich als verwaltete Nummer. Und HR-Verantwortliche sind – aufgrund der hohen Anzahl an Mitarbeitern, für die sie zuständig sind – ganz froh darüber. So erfüllen sich die Erwartungen gegenseitig ganz wunderbar, aber es verändert sich nichts.

  7. Daddy Cool

    Junge Väter trauen sich nicht, den Wunsch nach aktivem Vatersein klar anzubringen – und durchzusetzen. Dass Vatersein manchmal unerwartet frühes Nachhausegehen erfordert oder ein Zuhausebleiben, wenn das Kind krank ist, wird lieber verschwiegen. Aus Angst vor schlechtem Standing.

  8. Mangelnde Solidarität

    Ein Phänomen, über das nur wenig gesprochen wird: Frauen sind untereinander nicht immer solidarisch. Im Zweifel gehen viele wertvolle Gedanken im Zickenkrieg unter.

  9. Tabuthemen

    Über Probleme, die aus dem Zusammenspiel von Arbeit und Familie entstehen, wird offiziell nicht gesprochen – in der Teeküche aber schon. Würden Mitarbeiter in ritualisierter Form über ihre Situation reflektieren, könnten die Themen bearbeitet und dann auch wieder geschlossen werden. Die Folge wäre mehr Produktivität.

  10. Hart ist gestern

    Immer noch glauben viele, dass gute Kommunikation und gute Führung einfach nur ein „nice to have“ aus dem Soft-Skills-Bereich seien. Falsch! Die weichen Skills von heute werden die harten Skills von morgen werden.

Quellen für diesen Artikel:

Neben jahrelanger Beobachtungen im freien Feld – in der Beratung von Menschen und Teams, die für große Unternehmen arbeiten – belegen auch Studien und wissenschaftliche Arbeiten, dass die Notwendigkeit von Veränderung der Unternehmenskulturen ein Zeichen unserer Zeit ist:

Ein paar Fakten zum Thema männliche und weibliche Führung hier bei Gallup.

Interessant, was Sheryl Sandberg von Facebook zu Emotionen am Arbeitsplatz sagt. Passt zu Thesen 2 und 9.

Ein bemerkenswerter Meinungsartikel zur Frauenquote von Heribert Prantl in der Süddeutschen Zeitung.

Schon 2011 wusste die Wissenschaft, was Unternehmen für eine bessere Unternehmenskultur tun könnten.

Eine Studie zum Thema Stereotype und gläserne Decke aus dem Jahr 2017.

70 Prozent aller Arbeitnehmer machen nur noch Dienst nach Vorschrift? Das behauptet zumindest dieser Index hier.

Eine Studie, die argumentiert, dass eine Geschlechterquote für unser System von Vorteil wäre.

Guter TED-Talk: Werden Frauen anders behandelt? Oder: Lassen sich Frauen anders behandeln?

Der Unterschied von Management und Führung – in vielen Konzernen ist der Unterschied noch nicht wirklich angekommen.

Frauenprogramme alleine reichen nicht, um Unternehmenskulturen zu verändern. Der Blick fürs Ganze in diesem Buch hier.

Auch spannend?

Wie steht es eigentlich um unsere Emotionen am Arbeitsplatz? Viele Arbeitnehmer kennen folgende Situation – Beispiel Gastronomie: Es muss ein Lächeln vor dem Kunden aufgesetzt werden, auch wenn es innerlich ganz anders aussieht. Nun plädiert Facebook Chefin Sheryl Sandberg diese Emotionen in der Arbeit anzusprechen, anstatt diese zu unterdrücken, denn auch negative Emotionen können lehrreich sein und uns zu besseren Managern, Mitarbeitern und Chefs machen.