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Schall und Rauch

Ein kurzes DeSelfie darüber, was echte Partizipationsmöglichkeiten von Mitarbeitern in Unternehmen von unechten unterscheidet. Und warum mit der Qualität der Internen Kommunikation – vor allem auch die der Internen E-Mail-Kommunikation – die Qualität der Beziehungen zwischen Führungskräften und Mitarbeitern steigen kann.

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Wenn neue CEOs ins Unternehmen kommen, wird vieles anders. Manchmal jedenfalls. Es gibt den Typ Chef, der alles besser machen will. Prinzipiell  ist das ein gutes Ansinnen.

Ein Klassiker: Ideenwettbewerb

Ich habe einmal einen neuen Geschäftsführer erlebt, der sich „Partizipation“ und “Engagement” auf die Fahnen geschrieben hatte. Er wollte es anders als seine Vorgänger machen und die Mitarbeiter mitreden lassen, sie einbeziehen, teilhaben lassen am Unternehmenserfolg … und motivieren. So schrieb er es jedenfalls in seiner Antritts-Mail an die gesamte Mannschaft. Das klang sehr vielversprechend und war damals, in den Nullerjahren, recht fortschrittlich.

Als seine Mail im Postfach von uns Mitarbeitern landete, kannte ihn noch keiner von uns persönlich. Die Standorte des Unternehmens waren deutschlandweit verteilt, entsprechend unterschiedlich hoch ausgeprägt war auch die Identifikation mit dem Mutterschiff und der Stadt, in der der Hauptsitz war.

Preise ausgelobt, dann nie wieder etwas gehört

Nach vier Wochen Amtszeit kam wieder eine Mail. Im Betreff stand „Ideenwettbewerb“. Absender: der neue CEO. Es wurden Preise für „die besten Ideen” ausgelobt, die “frischen Wind” in das Unternehmen bringen sollten. Wer es schaffte, Prozesse zu vereinfachen oder Materialkosten zu sparen, dem winkten 200 Euro als Prämie. Das ist natürlich nicht nichts. Aber wenig im Vergleich dazu, was Mitarbeiter durch ihre Ideen, die sie dem Betrieb verraten sollten, einsparen konnten.

Vor allem diejenigen, die selbst in eher kreativen als administrativen Bereichen tätig waren, fühlten sich in ihrer Kompetenz nicht besonders wertgeschätzt, wenn es darum ging, Prozesse zu vereinfachen. Überhaupt wurde die Aufforderung, doch bitte teilzunehmen, nicht sehr ernst genommen. Auch nicht, als eine Erinnerungsmail kam, weil die Resonanz recht dürftig war. In der Teeküche hingegen wurden die Gespräche über den Ideenwettbewerb immer angeregter und lustiger.

Und dann? Passiert nichts.

Was dann passierte, ist so besonders, dass es mir bis heute im Gedächtnis blieb. Nachdem sich ohnehin nur ganz wenige Mitarbeiter beteiligten, wurden alle informiert, dass es nach Sichtung eine Auslobung der Preise geben würde. Doch die fand nie statt. Auch hat niemand von uns jemals erfahren, was mit den Einreichungen passierte.  Der Grund: Der CEO wurde nach nur einem halben Jahr Amtszeit entlassen – und ging noch vor der offiziellen Verkündigung der Ideenwettbewerbsgewinner von Bord. Der Ideenwettbewerb selbst wurde schlicht vergessen. Kein anderer hatte die Auswertung übernommen, von den nachfolgenden CEOs wollte niemand etwas davon wissen. Also … passierte …dann? Nichts.

Nie hat jemand wieder etwas von den eingereichten Ideen gehört. Keine Prämien.

Eine unmögliche Einladung

Etwa drei Monate später kam dann wieder eine Mail. Allerdings ging es nicht um den Wettbewerb. Sondern ein neuer Geschäftsführer stellte sich mal wieder vor. Er schrieb nichts von Änderungen oder Ideen.

Stattdessen lud er in seiner Mail zu “Bier und Frikadellen, nachher ab 17 Uhr, auf der Dachterrasse” ein. Als Einstand. Was er dabei übersehen hatte ist, dass 50 Prozent der Belegschaft gar nicht an seinem Standort arbeiteten, sondern über ganz Deutschland verstreut.

Uns im Süden blieb also nichts anderes übrig, als uns vorzustellen, wie die Norddeutschen gerade bei Bier und Frikadellen beisammenstanden, über alte und neue Zeiten plauderten – und wahrscheinlich auch über neue Ideen…

Wir im Süden hatten dann eine ganz andere Idee. Wir gingen an diesem Tag früher nach Hause als sonst.

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