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Welche Werte werden wichtiger werden?

Wie motivieren wir unsere Mitarbeiter? Wir rekrutieren wir die Besten? Wie halten wir sie? Diese und weitere Fragen beschäftigen zahlreiche Management- und Personalabteilungen – und vice versa auch die Arbeitnehmer selbst.

In einem Workshop fiel zu diesem Thema neulich ein bemerkenswerter Satz. Es waren 15 Menschen zusammengekommen, um darüber nachzudenken und sich auszutauschen, was in Zukunft wichtiger oder weniger wichtig für Arbeitnehmer sein könnte. Angelehnt an die Studie www.arbeitenviernull.de, hatten die Teilnehmer in einer Sequenz vier Werte andiskutiert, die laut Studie Arbeitnehmern im Jahr 2030 wichtig sein würden. Die Teilnehmer klopften diese Werte – und Arbeit 2030 – auf sich selbst bezogen ab. In 2030 werden sie selbst zwischen 33 und 72 Jahren sein.

Danke an: www.pixabay.com

Vier wichtige Werte im Überblick

Wenn wir der Studie folgen, dann gibt es vier Werte, die grundlegend für Menschen in 2030 wichtig sein werden:

  1. Menschen möchten Eigenverantwortung im Job leben
  2. Mitarbeiter wollen ihr eigenes Berufsbild kreativ gestalten können
  3. Partizipation als Gut wird noch wichtiger werden
  4. Menschen möchten individuelle Ansprüche realisieren.

Einfacher gesagt heißt das alles vor allem:

Es wird in Zukunft viele Menschen geben, wenn man der Studie glauben möchte, die Fehler des Managements nicht einfach als gegeben hinnehmen werden. Und, die der Macht des Arbeitgebers nicht ausgeliefert sein wollen oder unflexible Regelwerke beibehalten möchten. Sondern: Sie möchten, dass man ihr Denken, ihre Einstellungen hört, sieht, im besten Fall: integriert. Ihr Potenzial nutzt. Nachfragt. Zuhört. Ernst nimmt. Das klingt anstrengend und ist es vermutlich auch für Führungskräfte der Zukunft. Oder eben anders, als viele von ihnen bisher Führung gelebt haben.

Werte eines Selbständigen im Unternehmen

Dann fiel schließlich dieser Satz. „Das klingt ja, als wären das die Werte eines Selbständigen. Das passt für mich nicht. Das hat doch mit der Arbeit in einem Großunternehmen nicht viel zu tun…! Wer das will, der hat hier nichts verloren… “ , warf ein Teilnehmer in die Runde. Er gehörte wie alle anderen in der Runde auch zu dem Großunternehmen, dessen HR-Abteilung diesen Workshop initiierte.

Eine Diskussion, die für manche Menschen neu ist. Auch in Großunternehmen sitzen qualifizierte Menschen mit mündigem Verstand. Sie haben andere Ausbildungen genossen als ihre Vorgänger vor 20 oder 30 Jahren, haben andere Dinge von der Welt gesehen als Generationen davor, sind mit Globalisierung, Technologisierung und Digitalisierung aufgewachsen, können über den Tellerrand schauen, wann immer sie das möchten. Per Netz. Oder Klick. In der App.

Was wollen die Jungen denn?

„Ja, aber dann würde mich erst einmal interessieren, wie sieht das bei uns im Unternehmen aus? Was wollen die Jungen denn?“, wurde gefragt. „Da brauchen wir eine Studie“. Bestimmt haben viele Studien einen guten Wert. Aber zu glauben, dass eine quantitative Erhebung mehr dazu beitragen kann, für Mitarbeiter einen Weg in die Zukunft zu finden, kann ich aus meiner Erfahrung nicht bestätigen.

Im systemischen Denken gehen wir davon aus, dass jede Intervention gleich einer Diagnose ist und umgekehrt. Alleine, dass diese 15 Menschen zusammen kamen, und darüber redeten, wie unterschiedlich ihre Vorstellungen von “Werten” waren, hat sie einander in Kontakt gebracht. Und das wiederum hat Relevanz erzeugt. Von Zahlen und Fakten alleine, wenn auch verpackt in schöne Power-Point-Präsentationen, bewegen sich Mitarbeiter zunächst nicht unbedingt in eine bestimmte Richtung. Sie brauchen eine Antwort auf Fragen wie: Wofür lohnt sich mein Engagement? Wofür heute, wofür in Zukunft? Was habe ich davon, außer mein Gehalt?

Aus Kontakt und der Einsicht, dass Veränderungen notwendig sind, wachsen am ehesten Lösungen.  Vor allem dann, wenn es um so bemerkenswerte Sätze wie diesen des Kollegen aus der Runde gehen soll.

Wie fragte er in die Runde? „Ja, welche Werte leben wir denn hier eigentlich?“ Gute Frage. Und wer ist: wir?

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Einer, der sich schon lange vor der Digitalisierung Gedanken gemacht hat, warum es sich lohnt, dass jeder Mitarbeiter wie ein Unternehmer denkt, war Heinz von Foerster. Lesen Sie hier ein Portrait.

Und in diesem Manifest geht es darum, wie sich Großkonzerne verändern müssten, damit sie wieder attraktiver oder noch attraktiver für Mitarbeiter werden.

DeSelfie heißt, sich selbst auf der Spur sein.