Erfahrungsbericht: Wim Hof

Charlotte Friedrich hat für DeSelfie die Wim Hof Atemtechnik ausprobiert. Seither friert sie weniger. Und wendet die Technik hin und wieder ganz bewusst an.

Kalt ist nicht gleich kalt

Ich liege auf dem Rücken und konzentriere mich auf meine Atmung. 100 Prozent Einatmung, 70 Prozent Ausatmung und dann gleich wieder voll ein. 30 bis 40 Mal für drei bis vier Runden. Nach jeder Runde halten wir den Atem am Ende der Ausatmung. Die erste Runde ist ziemlich unangenehm. So stark einzuatmen macht mich unruhig und ich spüre Widerstand. Was mach ich hier eigentlich? Noch bin ich skeptisch wie mir das gleich helfen soll, wenn wir gleich in ein eiskaltes Wasserbecken steigen werden. Ich höre die anderen um mich herum atmen. Da fällt mir auf, dass ich selbst das Atmen komplett vergessen habe und steige wieder ein. Die zweite Runde ist noch unangenehmer, mein Widerstand wächst. Bei Runde drei kribbelt mein ganzer Körper. Runde vier: jetzt bin ich im Fluss, der Atem fliesst fast automatisch. Es fühlt sich an als würde ich beatmet werden. Der Widerstand der vorherigen Runden ist verschwunden. Und dann erreichen wir die letzte Atempause. Am Ende der Ausatmung halte ich die Luft an.

Durchatmen – die Wim Hof Technik hilft gegen Frösteln und Frieren. Danke an pexels.

Die Atempause wird zur vollkommene Stille.

Und plötzlich wird es komplett still. Jedes Gefühl von Zeit und Raum löst sich auf. Ich versinke komplett in der Stille am Ende der Ausatmung. Als ich irgendwann das Gefühl habe wieder einatmen zu wollen passiert etwas faszinierendes. Die Geräusche um mich herum werden wieder lauter. Es klingt für mich so, als hätte jemand langsam die Lautstärke hochreguliert.

Ich atme ein und halte nochmal. Wellen von Energie fluten durch meinen ganzen Körper. Dann atme ich wieder normal ein und aus, mein Atem fliesst absolut ruhig. So ganz anders, als wenn ich sonst versuche die Luft möglichst lang anzuhalten und danach durch tiefes Atmen kompensieren muss.  Ich fühle mich als schwebe ich über dem Boden.

Für mich als hochsensibler Mensch ist allein diese Stille ein unglaubliches Geschenk. Es fühlt sich an als hätten all meine Sinnesorgane eine tiefe, nährende Auszeit bekommen. Wie lang ich dort war kann ich zu diesem Zeitpunkt nicht einschätzen. Später erfahre ich vom Trainer, es waren etwas über drei Minuten.

Das Wasser ist eiskalt. Aber: mir ist nicht kalt.

Nachdem wir die Atemtechnik beendet haben machen wir uns auf den Weg zum Tauchbecken. Das Wasser ist eiskalt. Aber: mir ist nicht kalt! Dass es zwischen diesen Wahrnehmungen einen Unterschied geben könnte, darüber habe ich vorher noch nie nachgedacht. Wohl spüre ich die Kälte, aber ich kann gleichzeitig loslassen. Auch wenn es einige Überwindung kostet, dem Gefühl, in die Starre zu gehen zu wollen, nicht nachzugeben. Ich sitze im eiskalten Pool und lasse immer weiter los. Bis ich anfangen muss zu lachen. Ich fühle mich euphorisch und unglaublich lebendig. Als wir nach einigen Minuten aus dem Pool steigen um uns in der Sonne zu bewegen und unsere Temperatur wieder anzupassen, bin ich mir nicht sicher was ich dort gerade erlebt habe. So habe ich meinen Körper noch nie erlebt.

Auch wenn es eiskalt ist – es fühlt sich subjektiv empfunden nicht mehr kalt an.

Kurz und langfristig eine Erfahrung die bleibt.

Diese Erfahrung an sich war bereits eine Bereicherung für mich. Doch auch im Nachhinein stelle ich ein paar interessante Veränderungen fest:

  • Meine Wahrnehmung von Kälte hat sich verändert. Ich nehme Kälte nicht mehr automatisch als gefährlich war. Kalt ist eben nicht gleich kalt.
  • Kein Dauerfrieren im Winter mehr. Auch bei Hitze spüre ich wie sich mein Körper schneller an Veränderungen anpasst.
  • Neu gewonnenes Vertrauen in die Fähigkeiten meines Körpers. Ich bin immer noch verblüfft was meine Atmung bewirken kann.
  • Ich liebe es mich kalt abzuduschen oder im kaltem Wasser zu schwimmen – zu jeder Jahreszeit.

Inzwischen praktiziere ich die Wim Hof Technik zwar nicht täglich aber regelmäßig mehrmals im Monat und nach Bedarf. Auch wenn es immer wieder etwas Überwindung kostet, ist das Gefühl der Lebendigkeit danach für mich unvergleichbar. Positive Effekte von Atemarbeit sind wissenschaftlich inzwischen gut dokumentiert. Hier finden Sie einen Artikel der verschiedene Techniken kurz vorstellt, sowie weitere Quellen.

Hinweis: Die Wim Hof Technik sollte nur unter professioneller Anleitung erlernt werden.

Wim Hof Technik: https://wimhof-methode.de/

DeSelfie Erfahrungsbericht: Selbstfürsorge als Frau

Das natürliche Selbst entdecken 

Ein sehr persönliches DeSelfie von unserer Autorin Charlotte Friedrich: Gemeinsam mit 40 Frauen, die jüngste gerade mal 20, die älteste über 70 Jahre alt, war sie einen Monat lang mit sich selbst beschäftigt – und auf den Spuren des Frauseins. Auf eindrückliche Weise schildert sie ihre Erfahrungen, wie es sich anfühlt, im Kreise anderer Frauen sich selbst auf der Spur zu sein. Der eigenen Weiblichkeit, dem zyklischen Denken und dem eigenen Wollen und Können.

Viel Freude bei diesem berührenden, sinnlichen und tiefsinnigen Longread. Nehmen Sie sich bitte ausreichend Zeit dafür. Selbstreflexion passiert nicht von der einen Minute auf die andere…

DeSelfie: Unsere Autorin Charlotte Friedrich – mit Dank an Noemie Bourdin-Habert

DeSelfie: Mein erstes halbes Jahr im Arbeitsleben

Selbstreflexion und Wachstum durch Praktikum nach dem Bachelor: ein Erfahrungsbericht

Samuel, Jahrgang 1995, schreibt über seine Berufserfahrungen nach dem Bachelor. Ein einfühlsamer Longform-Read über Praktikum, Arbeit und Selbstreflexion, für den man sich ausreichend Zeit und Muße nehmen sollte. Samuel reflektiert Motivation, Erwartungen und Gelerntes. Eine seiner wichtigsten Erkenntnisse: Soziale Akzeptanz, Wertschätzung und Freundschaft sind ihm wichtiger als das monatliche Gehalt. Geprägt haben ihn wertvolle Erfahrungen aus seiner Ursprungsfamilie.

Vielen Dank für alle Fotos an: pexels.com

DeSelfie: Der Tag, an dem ich meine Mutter wurde

Wie sich psychologische Muster wiederholen

In ihrem “DeSelfie” – so heißen unsere persönlichen Erfahrungsberichte –  schreibt Nicole Zepter über ihre Erkenntnis: Ohne sich darüber bewusst gewesen zu sein, lebte sie Muster ihrer Mutter weiter. Der folgende Erfahrungsbericht ist ein Auszug aus ihrem Buch “Der Tag, an dem ich meine Mutter wurde”. Das Buch ist eine Spurensuche in das Unbekannte in ihrer Familie – “etwas, das uns scheinbar unbewusst zieht, uns leitet oder urplötzlich über uns hereinbricht, weil es immer schon da gewesen ist.”

Nicole Zepter für DeSelfie

Meine Mutter und mein unbekannter Vater

Eine Begegnung mit dem Selbst in der Stille

Entwicklung durch Stille und Reflexion

In diesem DeSelfie schreibt unsere Londoner Autorin Charlotte Friedrich (26), was sie in einem zehntägigen Schweigeretreat gelernt hat. Was sie heute davon in ihrem Alltag brauchen kann und wie ihr diese rigorose Form auch heute zu mehr Bewusstheit verhalf.  Wachstum durch Stille und Selbstreflexion: ein persönlicher Erfahrungsbericht.

Thx to Gratisography

Wachstum durch Selbstreflexion

Was mir auf meiner Reise bewusst wurde

In diesem DeSelfie schreibt Carina (22) von der DeSelfie-Redaktion, was sie in ihrer vierwöchigen Reise durch Indonesien über sich selber herausfand – und wie ihr mehrere Aha-Erlebnisse dazu verhalfen, bewusster durchs Leben zu gehen. Sie schreibt darüber wie es ist, wenn das Leben manchmal an einem vorbeirauscht. Und was man dagegen tun kann. Wachstum durch Selbstreflexion: ein persönlicher Erfahrungsbericht.

Partizipation

Schall und Rauch

Ein kurzes DeSelfie darüber, was echte Partizipationsmöglichkeiten von Mitarbeitern in Unternehmen von unechten unterscheidet. Und warum mit der Qualität der Internen Kommunikation – vor allem auch die der Internen E-Mail-Kommunikation – die Qualität der Beziehungen zwischen Führungskräften und Mitarbeitern steigen kann. Partizipation von Mitarbeitern.

www.pexels.com

DeSelfie-Literatur: Karl Ove Knausgård

Es könnte viel bedeuten

Der Hype um den norwegischen Autor Karl Ove Knausgård und seine sechsteilige, autobiografisch inspirierte Romanreihe „Min Kamp“ ist seit einiger Zeit vorüber. Nun ist der vierte und letzte Teil einer weiteren Reihe von ihm erschienen: „Im Sommer“. Ein guter Anlass, um sich über die Einordnung von Knausgårds’ Werk als Signal unserer Zeit Gedanken zu machen. DeSelfie-Literatur? Ein persönliches DeSelfie von Dr. Astrid Dobmeier – aus der literarischen Perspektive.

Karl Ove Knausgård, Bild: Luchterhand

Die Krise als entscheidende Wende

Ein Plädoyer für einen freundlicheren Umgang mit Krisen

Eine Krise ist wie ein ungebetener Gast. Am liebsten würden wir sie einfach draußen stehen lassen, denn sie bedeutet Ärger, stört unsere Eintracht und bringt unsere geliebten Gewohnheiten durcheinander. Doch es lohnt sich, sie einzulassen und ein Kennenlernen zu wagen. Und meistens hat sie Geschenke im Gepäck. Ein sehr persönliches DeSelfie von Eliana Wemmje.

Wenn der Leidensdruck hoch genug ist

Erfahrungsbericht: Ein DeSelfie über zu viel Leistung, Gehorsam, Perfektionismus und Leidensdruck am Arbeitsplatz.

„Das Fräulein Dobmeier. Die schreibt ihre Überstunden nie auf. Braves Mädchen.“ Diese Worte galten einmal mir. Unser Chef vom Dienst reichte mir meinen Gehaltszettel allmonatlich mit einem Lächeln, meistens geschmückt mit Worten zur Person. Ich mochte ihn. In seinen Augen hatte er etwas Väterliches, wenn er mit mir sprach. Und vielleicht habe ich deswegen auch nichts dazu gesagt, sondern lächelte nur mädchenhaft zurück. Was Leidensdruck ist, das wusste ich damals noch nicht.


In den Fängen des Fleißes. Manchmal braucht es einfach Zeit, bis man selbstbewusst Grenzen setzt. Bild für DeSelfie: Nele Marlen