Transformer Coaching

Reflektieren in der Gruppe

Machen Sie das auch so? Wenn Sie ein bestimmtes Thema interessiert und Sie sich Wissen darüber aneignen wollen, dann googeln Sie erst einmal. Lassen sich Treffer anzeigen. Lesen Artikel dazu oder sehen sich YouTube-Videos an, recherchieren in Wissensportalen, hören Podcasts, absolvieren kostenlose Online-Checks oder tragen sich für wöchentliche Newsletter-Challenges ein.

DeSelfie: Googeln heißt Kennen, nicht Können. Transformer Coaching. Danke an Christian Wiediger by Unsplash

Grit: Auf Begeisterung und Ausdauer kommt es an

Was haben Mathespitzenschüler, Elite-Kadetten im Militär und Sales- Experten gemeinsam? Die erfolgreichsten unter ihnen zeichnen sich nicht durch ihre Intelligenz, Startbedingungen oder Talent aus, sondern durch “Grit”. Im Englischen bedeutet dieser Begriff in etwa “Biss” oder “Mumm” und wurde von der Neurowissenschaftlerin und Psychologin Angela Duckworth genutzt, um eine einzigartige Kombination aus Begeisterungsfähigkeit und langfristigem Durchhaltevermögen zu beschreiben.  Duckworth erforscht das Konzept der motivierten Beharrlichkeit seit Jahren und liefert uns überraschende Einblicke, was Menschen langfristig wirklich erfolgreich macht.  Danke an unsere Autorin Charlotte Friedrich für diese hilfreichen Einblicke!

Begeisterte Ausdauer, ausdauernde Begeisterung. Das ist das Geheimnis von Grit. pexels.com

Aufgeben oder Durchhalten: Was macht den Unterschied? 

Wer kennt das nicht? Wenn wir den Entschluss fassen, ein neues Ziel zu verfolgen oder eine Fähigkeit zu erlernen, so ist die Begeisterung zu Beginn meist groß. Treten jedoch die ersten Hindernisse auf, wird dieses Gefühl oft durch Frustration oder Antriebslosigkeit ersetzt. Vielleicht fragen wir uns, ob wir überhaupt talentiert oder diszipliniert genug sind. Vielleicht treibt uns unsere Neugier auch von einem Thema zum nächsten und nichts verschafft uns wirklich Zufriedenheit. Oder aber wir bleiben beharrlich, schaffen es erfolgreich zu unserem Ziel und fragen uns, wieso wir das nicht immer so hinbekommen. Was macht den Unterschied? 

Grit oder Talent? Was ist wichtiger? 

Oftmals bezeichnet “Talent” eine Reihe angeborener Eigenschaften, die einem einen Vorteil im Erlernen oder Durchführen bestimmter Fähigkeiten und Vorgänge verschaffen. Obwohl wir so vielleicht einen ersten Startvorteil haben, sind es nicht “Genie” oder “Talent”, die uns langfristig zum Ziel führen. Duckworth fand heraus, dass Grit der gemeinsame Faktor erfolgreicher Menschen zu sein scheint – egal ob es sich dabei um Comiczeichner, Lehrer oder Bankmanager handelt. 

Woher aber kommt Grit und können wir es lernen? 

Warum eine Person mehr Grit hat als eine andere, daran wird noch geforscht. Die gute Nachricht: Es gibt erste Indikatoren. Grit kann man lernen und über das Leben hinweg weiter entwickeln – oder aber auch verlieren. Das hängt in erster Linie von unserem Mindset ab: Sehen wir unsere Fähigkeiten insgesamt als festgesetzt oder veränderbar an? Glauben wir daran, dass wir uns verbessern können, so stehen unsere Chancen, Grit zu entwickeln besser. In diesem Artikel haben wir dieses sogenannte dynamische Selbstbild (Growth Mindset) näher beleuchtet: “Erfolg ist vor allem eines: Einstellungssache. Ohne eine solche dynamische Denkweise lassen sich alte Verhaltensweisen schwer ändern und Rückschläge können uns schwer treffen.

Welche weiteren Faktoren eine Rolle spielen, darüber sind sich die Forscher noch nicht im Klaren. Bisher wissen wir jedoch: damit aus Interesse Begeisterung wird und aus ersten Übungsversuchen Durchhaltevermögen, braucht es Sinnhaftigkeit und Hoffnung. Und auch diese Faktoren lassen sich beeinflussen. 

Grit – Leistungsschwimmer und alle Leistungssportler kennen das gut. Danke an pexels.com

Grit ist eine Frage von Sinnhaftigkeit und Hoffnung

Notwendigerweise sollte am Anfang das Interesse für ein bestimmtes Thema oder Ziel stehen. Als nächstes dann die Möglichkeit, an diesem Thema oder Ziel zu arbeiten und gewisse, damit verbundenen Fähigkeiten zu erproben. Also zum Beispiel ein Instrument zu spielen oder Kommunikationsfähigkeiten zu entwickeln. Ob neue Interessen und Ziele wieder fallengelassen werden, sobald Hindernisse und Herausforderungen auftreten, hängt vor allem von der wahrgenommen Sinnhaftigkeit ab. Also, für wie bedeutsam die Person das Unterfangen für das eigenen Leben und das Wohl der Allgemeinheit betrachtet. “Grit” ist nur dann möglich, wenn Sie Ihr Ziel für sinngebend erachten. 

Zu guter Letzt brauchen Sie eine gewisse Portion Hoffnung. Glauben Sie daran, dass Ihre Bemühungen tatsächlich einen wichtigen Beitrag zu Ihrem langfristigen Erfolg leisten, fällt das Durchhalten gleich viel leichter. Die Positive Psychologie bietet eine Reihe von Übungen und Ansätzen, die Sie hierbei unterstützen können.

Grit ist nicht gleich Resilienz

“Grit” teilt damit gewisse Aspekte mit Resilienz, unterscheidet sich jedoch im Kern durch die Motivation der Person. Während es sich bei Resilienz um eine Reaktion oder Antwort auf eine herausfordernde Situation handelt (in Form von Anpassungs- und Widerstandsfähigkeit), wählt ein Mensch mit Grit das Level der Herausforderung selbst – und setzt die Latte hoch. Dabei ist ihm oder ihr bewusst, dass das Ziel nicht schnell oder problemlos erreicht werden kann. Trotzdem entscheidet sich eine Person mit viel Grit, dieses Ziel zu verfolgen, und zwar dann, wenn sie diesem Sinn beimisst. 

Selbstreflexion zum Thema Grit

Folgende Fragen können Sie dabei unterstützen herauszufinden, welche Rolle Grit in Ihrem Leben und in Hinblick auf Ihre langfristigen Ziele spielt: 

  • Lenken mich neue Ideen und Projekte schnell von langfristigen Zielen ab? 
  • Woran liegt es, wenn ich das Interesse an einer Idee verliere? An der bevorstehenden Herausforderung oder mangelnder Sinnhaftigkeit? Etwas anderem? 
  • Sind meine Ziele Teil eines größeren Ziels und empfinde ich dieses Ziel als Sinn stiftend? 
  • Welche langfristigen Ziele habe ich bereits gemeistert und welche Herausforderungen habe ich auf dem Weg dorthin überwunden? 
Ist Grit für mein Leben erstrebenswert? Soll ich…soll ich nicht? Danke an Pexels.com

Grit zur Gewohnheit machen 

“Grit ist, das Leben wie einen Marathon zu leben, nicht wie einen Sprint”, sagt Duckworth. 

Hier ließe sich ergänzen, dass ein Fokus auf die Sinnhaftigkeit, aus dem Marathon eine herausfordernde und erfüllende Wanderung zu machen, vor allem als Kompass dient, um die Richtung beizubehalten. 

Praktisch bedeutet das: 

  • Selbst wenn wir nur zehn Minuten pro Tag an etwas arbeiten, das uns Sinn schenkt und mit dem wir ein langfristiges Ziel erreichen möchten, kultivieren wir Grit und trainieren unser Durchhaltevermögen.
  • Holen Sie sich gegebenenfalls Unterstützung von einem Freund oder Kollegen, der sie unterstützt – oder arbeiten Sie mit einem Coach. 
  • Belohnen Sie sich, wann immer sie Zeit in ihr Herzensprojekt gesteckt haben – egal wie gut es lief. Bei Grit geht es nicht darum, alles perfekt zu machen, sondern darum, genau dann dran zum bleiben, wenn die Dinge mal nicht so laufen wie geplant… 

So können Sie Grit im Alltag kultivieren. 

Weiterführende Literatur: 

TEDtalk GRIT: The Power of Passion and Perseverance.  https://www.ted.com/talks/angela_lee_duckworth_grit_the_power_of_passion_and_perseverance

Buch GRIT – Die neue Formel zum Erfolg: Mit Begeisterung und Ausdauer ans Ziel von Angela Duckworth

Studie Duckworth, A. L., Peterson, C., Matthews, M. D., & Kelly, D. R. (2007). Grit: perseverance and passion for long-term goals. Journal of Personality and Social Psychology, 92(6), 1087.  

Eine Unternehmenskultur, die in Zukunft Sinn macht

In und nach Corona: Eine offene Lernhaltung ist notwendig

Dieses Interview hat DeSelfie-Gründerin Dr. Astrid Dobmeier mit zwei Masteranden der Organisationspsychologie geführt, die zum Thema Unternehmenskultur der Zukunft forschen. Und das noch vor der Corona-Ära. Also noch weit vor der Zeit, als Home Office für viele unter uns plötzlich daily business wurde. Als Teams von heute auf morgen remote geführt werden mussten. Unglaublich, wie schnell die Realität Szenarien der Zukunft einholen kann… – und was dann daraus entstehen kann. Der Artikel erschien zum ersten Mal Ende 2018. Nun veröffentlicht ihn DeSelfie aus aktuellem Anlass noch einmal neu.

In ihrer Recherche befassen sich die beiden Forscher mit den Themen Unternehmenskultur, Frauen in Führung, Motivation und Verdienst. Vielen Dank, dass DeSelfie das Interview in voller Länge veröffentlichen kann!

Warum Arbeit nach Corona attraktiver werden muss

Zehn Thesen zur Arbeit der Zukunft

Alle redeten vor Corona über neue Arbeitsformen, über Wettbewerbsfähigkeit, Digitalisierung und agiles Miteinander. So richtig ins Tun sind nur wenig gekommen. Deutsche Konzerne waren bemüht darin, die richtigen Leute für die Zukunft zu rekrutieren. Es wurde geschult, geforscht, gestritten. Dabei hätte auch damals alles so einfach sein können.

Wenn jeder bei sich anfangen würde, an seinem Verhalten, seinem Denken und Handeln – und darüber reflektieren könnte, dann wäre die Zukunft vieler großer Unternehmen gesichert. Nichts ist so beständig wie der Wandel. Warum Arbeit in Konzernen nach Corona attraktiver werden muss?

Zehn Thesen zur Arbeit der Zukunft von Dr. Astrid Dobmeier, Gründerin von DeSelfie, dem Online-Portal rund um das Thema Selbstreflexion.

Arbeit der Zukunft. Respekt vor Alter und Jugend. Danke an Markus Spiske und pexels

Selbstreflexion und Gehirn

Nichts denken? Unwahrscheinlich.

Was passiert eigentlich im Gehirn, wenn wir vor uns hinträumen, Luftlöcher starren, abschalten? Jedenfalls: nicht nichts. Verantwortlich dafür: das neuronale Netzwerk Default Mode Network (DMN) – auf Deutsch: Ruhezustandsnetzwerk. DeSelfie auf der Spurensuche nach dem Areal im Gehirn, das jede nach innen gerichtete Aufmerksamkeit unterstützt und immer dann aktiv ist, wenn es um Selbstreflexion geht.

Aus dem Fenster schauen – und … denken

Jeder kennt das. Wir sitzen in der Bahn am Fenster. Die Gedanken schweifen. Hin und wieder kommt ein Blitzlicht aus der Vergangenheit, wir sortieren es ein, bewerten oder verwerfen es wieder. Meist keine große, bewusste Sache – in unserem Hirn scheint etwas ganz natürlich und unbewusst zu fließen. Das kann beim Autofahren genauso passieren wie beim Singen, beim Musizieren, Lesen oder Tanzen. Dann, wenn wir eine Tätigkeit ohne große Anstrengung ausüben, tauchen Erinnerungssplitter auf, wir denken über Erlebnisse nach, bewerten sie, ordnen sie ein.

Das Gehirn ist bei Tagträumereien aktiv

Auch wenn wir also an scheinbar nichts denken oder einfach vor uns hinträumen, ist unser Gehirn aktiv. Es sortiert, kodiert, dekodiert, speichert – und verbindet neu, um sich für neue Aufgaben zu rüsten. Die Neurowissenschaft vermutet, dass dieses “Tagträumen” wichtig für die Identitätsbildung ist und Antworten auf Fragen wie “Wer bin ich?” oder “Was will ich?” findet. Aufgrund der Beschäftigung mit sich selbst gelingt es dem Gehirn, ein “Ich” aufrecht zu erhalten – selbst wenn es sich ständig verändert bzw. Veränderungen ausgesetzt ist.

Das Ruhezustandsnetzwerk hilft uns

Das Ruhezustandsnetzwerk wird in der Gehirnforschung mit Gedanken über die Vergangenheit, Zukunftsplanung und Kreativität in Verbindung gebracht. Im Alltag, vor allem wenn wir auf “Autopilot” schalten – morgens beim Aufstehen, Zähneputzen, Zusammenpacken, außer Haus gehen –  hilft es uns.

Es entstehen innere Bilder im Gehirn

Die Aktivität im Default Mode Network ist auch an der Produktion innerer Bilder beteiligt. Dabei kann man zwischen gewollten und ungewollten spontanen Gedanken unterscheiden. Wenn man bewusst Tagträumen will, springt beispielsweise ein Netzwerk an, dessen Aktivität zielgerichtetes Denken kennzeichnet. 

Vor allem kreative Ergebnisse lassen sich in “Gehirn-Ruhephasen” erzeugen. Kinder können das meist sehr gut: Es sind sehr kurze Momente, in denen unser Bewusstsein eine kleine Pause macht. Wir driften kurz weg und schauen irgendwohin, ohne konkret oder bewusst etwas wahrzunehmen.

Ästhetisches Empfinden könnte hier sitzen

Untersuchungen deuten darauf hin, dass das Default Mode Network auch eine wichtige Rolle bei der Art und Weise spielt, wie Menschen auf Schönheit reagieren, die sie emotional bewegt.

Spannende Untersuchung: 1000 Gehirne

In der “1000-Gehirne-Studie” werden seit 2011 die Gehirne von rund 1300 Probanden im Alter zwischen 55 und 85 Jahren gescannt, 500 von ihnen sogar zweimal, um herauszufinden, wie und warum das menschliche Gehirn altert. Nervenzellen und ihre Verbindungen sterben beim Altern, auch die Hirnmasse verringert sich im Alter. Aufmerksamkeit, Gedächtnis, Sprachfähigkeiten und Orientierung bauen im Alter eher ab.

Starke Vernetzungen im Alter

Insgesamt ist das Gehirn alter Menschen stärker vernetzt als bei jüngeren Menschen  – das Gehirn organisiert seine Arbeitsweise um. Gehirne können unterschiedlich schnell altern, wofür eine Kombination aus genetischer Basis, Lebensstil und Umwelteinflüssen verantwortlich sein dürfte.

Interessant?

Wir von DeSelfie finden die Zusammenhänge von Neurowissenschaften und Selbstreflexion sehr spannend. Hier ein Artikel über Veränderungen und Gehirnforschung.

Und hier ein Artikel zum Thema Gehirn-Neustart:

Weiterführende Literatur

Vessel, Edward A., u.a. (2019): The default-mode network represents aesthetic appeal that generalizes across visual domains.


Stangl, W. (2020). Stichwort: ‘Default Mode Network – DMN’. Online Lexikon für Psychologie und Pädagogik.

Erfahrungsbericht: Wim Hof

Charlotte Friedrich hat für DeSelfie die Wim Hof Atemtechnik ausprobiert. Seither friert sie weniger. Und wendet die Technik hin und wieder ganz bewusst an.

Kalt ist nicht gleich kalt

Ich liege auf dem Rücken und konzentriere mich auf meine Atmung. 100 Prozent Einatmung, 70 Prozent Ausatmung und dann gleich wieder voll ein. 30 bis 40 Mal für drei bis vier Runden. Nach jeder Runde halten wir den Atem am Ende der Ausatmung. Die erste Runde ist ziemlich unangenehm. So stark einzuatmen macht mich unruhig und ich spüre Widerstand. Was mach ich hier eigentlich? Noch bin ich skeptisch wie mir das gleich helfen soll, wenn wir gleich in ein eiskaltes Wasserbecken steigen werden. Ich höre die anderen um mich herum atmen. Da fällt mir auf, dass ich selbst das Atmen komplett vergessen habe und steige wieder ein. Die zweite Runde ist noch unangenehmer, mein Widerstand wächst. Bei Runde drei kribbelt mein ganzer Körper. Runde vier: jetzt bin ich im Fluss, der Atem fliesst fast automatisch. Es fühlt sich an als würde ich beatmet werden. Der Widerstand der vorherigen Runden ist verschwunden. Und dann erreichen wir die letzte Atempause. Am Ende der Ausatmung halte ich die Luft an.

Durchatmen – die Wim Hof Technik hilft gegen Frösteln und Frieren. Danke an pexels.

Die Atempause wird zur vollkommene Stille.

Und plötzlich wird es komplett still. Jedes Gefühl von Zeit und Raum löst sich auf. Ich versinke komplett in der Stille am Ende der Ausatmung. Als ich irgendwann das Gefühl habe wieder einatmen zu wollen passiert etwas faszinierendes. Die Geräusche um mich herum werden wieder lauter. Es klingt für mich so, als hätte jemand langsam die Lautstärke hochreguliert.

Ich atme ein und halte nochmal. Wellen von Energie fluten durch meinen ganzen Körper. Dann atme ich wieder normal ein und aus, mein Atem fliesst absolut ruhig. So ganz anders, als wenn ich sonst versuche die Luft möglichst lang anzuhalten und danach durch tiefes Atmen kompensieren muss.  Ich fühle mich als schwebe ich über dem Boden.

Für mich als hochsensibler Mensch ist allein diese Stille ein unglaubliches Geschenk. Es fühlt sich an als hätten all meine Sinnesorgane eine tiefe, nährende Auszeit bekommen. Wie lang ich dort war kann ich zu diesem Zeitpunkt nicht einschätzen. Später erfahre ich vom Trainer, es waren etwas über drei Minuten.

Das Wasser ist eiskalt. Aber: mir ist nicht kalt.

Nachdem wir die Atemtechnik beendet haben machen wir uns auf den Weg zum Tauchbecken. Das Wasser ist eiskalt. Aber: mir ist nicht kalt! Dass es zwischen diesen Wahrnehmungen einen Unterschied geben könnte, darüber habe ich vorher noch nie nachgedacht. Wohl spüre ich die Kälte, aber ich kann gleichzeitig loslassen. Auch wenn es einige Überwindung kostet, dem Gefühl, in die Starre zu gehen zu wollen, nicht nachzugeben. Ich sitze im eiskalten Pool und lasse immer weiter los. Bis ich anfangen muss zu lachen. Ich fühle mich euphorisch und unglaublich lebendig. Als wir nach einigen Minuten aus dem Pool steigen um uns in der Sonne zu bewegen und unsere Temperatur wieder anzupassen, bin ich mir nicht sicher was ich dort gerade erlebt habe. So habe ich meinen Körper noch nie erlebt.

Auch wenn es eiskalt ist – es fühlt sich subjektiv empfunden nicht mehr kalt an.

Kurz und langfristig eine Erfahrung die bleibt.

Diese Erfahrung an sich war bereits eine Bereicherung für mich. Doch auch im Nachhinein stelle ich ein paar interessante Veränderungen fest:

  • Meine Wahrnehmung von Kälte hat sich verändert. Ich nehme Kälte nicht mehr automatisch als gefährlich war. Kalt ist eben nicht gleich kalt.
  • Kein Dauerfrieren im Winter mehr. Auch bei Hitze spüre ich wie sich mein Körper schneller an Veränderungen anpasst.
  • Neu gewonnenes Vertrauen in die Fähigkeiten meines Körpers. Ich bin immer noch verblüfft was meine Atmung bewirken kann.
  • Ich liebe es mich kalt abzuduschen oder im kaltem Wasser zu schwimmen – zu jeder Jahreszeit.

Inzwischen praktiziere ich die Wim Hof Technik zwar nicht täglich aber regelmäßig mehrmals im Monat und nach Bedarf. Auch wenn es immer wieder etwas Überwindung kostet, ist das Gefühl der Lebendigkeit danach für mich unvergleichbar. Positive Effekte von Atemarbeit sind wissenschaftlich inzwischen gut dokumentiert. Hier finden Sie einen Artikel der verschiedene Techniken kurz vorstellt, sowie weitere Quellen.

Hinweis: Die Wim Hof Technik sollte nur unter professioneller Anleitung erlernt werden.

Wim Hof Technik: https://wimhof-methode.de/

Weniger Konsum heißt: mehr Zufriedenheit

Selbstreflexion über Konsum
bringt persönliche Vorteile

Endlich konnten wir wieder einmal die Zeit nutzen, um eine wissenschaftliche Studie genauer unter die Lupe zu nehmen. Dieses Mal fiel unser Augenmerk auf die Untersuchung eines US-amerikanischen Forscherteams rund um die deutsche Forscherin Dr. Sabrina Helm. Thema: Konsum. Sie lehrt an der University of Arizona im Bereich Einzelhandel- und Konsumwissenschaften. Für die Studie hat sie sich mit Kollegen der Familien- und Sozialwissenschaften zusammengetan: Joyce Serido, Sun Young Ahn, Victoria Ligon und Soyeon Shim. Die Forscher wollten wissen: Macht mehr Konsum zufriedener – oder unzufriedener? Wir fragen zurück: Und wenn so oder so – wie können wir Selbstreflexion sinnvoll und zukunftsorientiert nutzen, um unser Verhalten zu überdenken?

Wissenschaftlich erwiesen: Mehr “grüne Produkte” zu shoppen macht nicht unbedingt gefühlt zufriedener – ein bewusster Konsumverzicht hingegen schon. Danke an Pexels.

Im größeren Kontext der Studie geht es um das Konsumverhalten von 18- bis 26-jährigen College-Studierenden in den USA. Es haben 968 Probanden an der Studie teilgenommen. Ein Ziel war es, Zusammenhänge von Konsum bzw. Verzicht und Wohlbefinden herzustellen. Die Forscher wollten also herausfinden: Fühlt man sich wohler (= ist glücklicher, zufriedener, irgendeine Auswirkung, die zu spüren ist), wenn man von herkömmlichen Produkten auf “grüne” Produkte umsteigt – und somit ökologisch bewusster konsumiert bzw. handelt? Nein. Wer auf nachhaltigere Produkte umsteigt, fühlt sich nicht unbedingt besser (weil er oder sie zum Beispiel etwas für den kollektiven Klimaschutz beigetragen hat). Interessant.

Konsum: weniger Eigentum = mehr Freiheit

Was stattdessen herausgefunden wurde, bestätigt eine alte Weisheit, die da heißt „Eigentum verpflichtet“. Wer Eigentum anhäuft, ist nicht unbedingt gelassener. Und die Wissenschaftler begründen das damit, dass die Verpflichtungen rund um Eigentum einfach aufwändig und stressig für Menschen sein können. Weniger Eigentum zu haben befreit eher. Und das wirkt sich wiederum positiv auf das Wohlbefinden aus. Das Wohlbefinden erhöht sich also, wenn wir auf materielle Dinge verzichten.

Der Schlüssel: Motivationen verstehen

Die Forscher testeten unterschiedliche Hypothesen, die materiellen Besitz mit persönlichem Wohlbefinden, finanzieller Zufriedenheit, und psychologischem Stressempfinden korrelierten. Wenn man junge Menschen also wirklich dazu bringen möchte, weniger materialistisch zu handeln (um zum Beispiel klimafreundlicher zu leben), dann kann das nicht gelingen, indem man noch mehr alternative Produktstrategien entwirft. Die Forscher sehen den Schlüssel eher darin, junge Leute dafür zu begeistern, dass das Reduzieren von Konsum nicht eine Abnahme der Lebensqualität bedeutet, sondern, wie durch diese Studie unterstützt, das Wohlbefinden eher erhöht.

Dieses Verständnis der Motivationsstruktur junger Verbraucher ist von wesentlicher Bedeutung.

Shareconomy heißt: Wir sollten alle lernen, wie “gutes Teilen” gehen kann. Dank an Pexels.

Selbstreflexion zum Thema Konsum

Das führt uns auf individueller Ebene zu Fragen wie:

  • Wie gehe ich mit Eigentum um?
  • Wie wichtig sind mir materielle Dinge, wie wichtig immaterielle?
  • Inwiefern beeinflussen mich materielle Käufe positiv oder negativ?
  • Welchen Beitrag leiste ich selbst für oder gegen die Umwelt?
  • Wie würden mich meine engsten Freunde und meine Familie einschätzen?

Auf kollektiver Ebene sind Fragen zum Thema Konsum und Selbstreflexion relevant wie:

  • Wenn junge Menschen Dinge nicht mehr unbedingt besitzen wollen, was wollen sie stattdessen?
  • Welche Auswirkungen hat das auf die älteren Generationen?
  • Wofür wollen oder müssen junge Menschen Geld verdienen?
  • Wenn ihr Hauptaugenmerk nicht das Geldverdienen und die Anhäufung von Geld per se ist – was dann?
  • Wie können Unternehmen mit der Anspruchshaltung dieser Generationsvertreter gut umgehen?

Shareconomy bedeutet: teilen von Autos, Büros, Wohnungen, kleineren Konsumgütern oder größeren Dienstleistungen. Wir von DeSelfie nehmen wahr: Ja, es gibt junge Menschen, die das so sehen und auch verfolgen – und das sind sicherlich nicht alle. Immer noch streben auch junge Menschen den Erwerb von Immobilien oder den Kauf von teuren Autos an. Es kommt darauf an, wie sie sozialisiert sind. Und was Eltern und Großeltern vorgelebt haben – welche Werte sie sich im Erwachsenenalter dazu erwerben oder welche sie ablegen oder ausbauen möchten.

Lassen Sie uns miteinander in Kontakt treten, so dass Dialogräume über Fragen wie diese entstehen können.

Die Studie im Originaltext zum Nachlesen

Hier lesen Sie die Studie im englischen Original-Text gerne nach.

DeSelfie heißt, sich selbst auf der Spur sein.

Atemarbeit: Selbstregulation

Ein Werkzeug, das Sie stets dabeihaben

Vom ersten bis zum letzten Atemzug, ob Tag oder Nacht, der Atem ist unser ständiger Begleiter. Oft schenken wir ihm kaum Beachtung, denn in der Regel atmen wir ganz automatisch. Bewusst wird er uns dann, wenn er sich verändert. Wenn uns zum Beispiel vor einer Präsentation vor Nervosität der Atem stockt, es uns durch starke Emotionen den Atem verschlägt oder uns aufgrund physischer Anstrengung die Luft ausgeht. Denn der Atem ist eng mit einer ganzen Reihe physiologischer Mechanismen verbunden, beispielsweise, um uns in Situationen, die wir als gefährlich wahrnehmen, auf Kampf, Flucht oder Starre vorzubereiten. Doch der Atem hat noch viele weitere Funktionen. Atemarbeit – ein wunderbares Instrument zur Selbstreflexion und Selbstregulation. Von Charlotte Friedrich.

Atmen! Wenn gar nichts mehr hilft, Atmen hilft immer und in jedem Fall. Danke an Pexels.

Selbstfürsorge gegen Reizüberflutung

Unsere Autorin Charlotte Friedrich hat sich in ihrer Forschungsarbeit im Bereich der Positiven Psychologie mit der Frage beschäftigt, was hochsensible Menschen tun, um sich im Alltag immer wieder zu stärken. Wir von DeSelfie finden das sehr spannend, denn von den Befragten können wir alle sehr viel lernen! Menschen, die besonders sensible Wahrnehmungskanäle besitzen nehmen noch viel mehr auf als wir, die wir uns vielleicht nicht so sensibel einschätzen. Das ist ein hochaktuelles Thema, denn schließlich sind viele von uns vielfachen, mehrdimensionalen Reizen ausgesetzt. Lesen Sie sieben Tipps, wie wir besonders gut Selbstfürsorge für uns betreiben können.

Wer viel wahrnimmt, sollte hin und wieder gut abschalten. Abtauchen aus Social Media.

Wie betreibe ich Selbstfürsorge?

7 Tipps zur besseren Selbstfürsorge

In Charlotte Friedrichs Forschung kristallisierten sich sieben Methoden als besonders hilfreich heraus:

  1. Zeit alleine und in Stille war die wichtigste Maßnahme für die Befragten, um ihre Energiespeicher wieder aufzufüllen.
  2. Bewusst mit dem Atem arbeiten: Hierzu zählten simple Techniken wie die Bewusstmachung und der Fokus auf den Atem in herausfordernden Situationen – aber auch weniger bekannte Atemtechniken, wie etwa “Holotropes Atmen” nach Stan Grof.
  3. Und ganz wichtig: Bewegung: Ob Spazierengehen oder Yoga, tägliche Bewegung spielte für die Befragten eine Schlüsselrolle als Ausgleich zu mentalen Herausforderungen.
  4. Erden: Eine simple Technik, die inzwischen wissenschaftlich viel Unterstützung findet. Die Füße oder den Körper in direkten Kontakt mit der Erde unter sich zu bringen oder wenn dies nicht möglich ist, diese Verbindung zu visualisieren, erlaubt es einigen Befragten, sich zentrierter und ruhiger zu fühlen – und Gefühle von Reizüberflutung zu reduzieren.
  5. Zeit in der Natur: Ein essentieller Energiegeber für viele der Hochsensiblen. Während manche besonders gerne im oder am Wasser waren, fanden andere bei einem kurzen Spaziergang im Wald wieder zu sich selbst. 
  6. Transzendentale Erfahrungen: Die Verbindung zu etwas Größerem als dem Selbst – wie zum Beispiel durch Meditation oder Flow- Erlebnisse – wurde von den Befragten als wichtig und hilfreich erlebt.
  7. Grenzen setzen: Öfter mal „Nein“ zu sagen oder soziale Aktivitäten zu reduzieren, wurde von den Befragten als wesentlich eingestuft, um das eigene Energielevel nicht zu erschöpfen.
Die Seele und die Füße öfter baumeln lassen. Für manche unter uns ein hartes Training…

Allerdings: Ohne Disziplin geht nichts

In der wissenschaftlichen Befragung wurde mehrfach von den Probanden betont, wie wesentlich eine disziplinierte Selbstfürsorge sei, um negativen Auswirkungen der Hochsensibilität vorzubeugen (wie Gefühle von Erschöpfung und Überforderung). Das bedeutet vor allem Regelmäßigkeit, wie etwa tägliche Bewegung, selbst wenn sich die Befragten nicht danach fühlten.

Fragen zur Selbstreflexion

  • Wie steht es um Ihre Selbstfürsorge?
  • Was füllt Ihre Energiespeicher auf, was leert sie?
  • Welche Methode könnte Ihr persönliches Selbstfürsorge-Repertoire erweitern? 

Weiterführende Literatur

Aron, E. (1996). The highly sensitive person: How to thrive when the world overwhelms you. New York: Broadway Books.

Barnett, J., Baker, E., Elman, N., & Schoener, G. (2007). In pursuit of wellness: The self-care imperative. Professional Psychology: Research and Practice, 38(6), 603–612. https://doi.org/10.1037/0735-7028.38.6.603

Brulé, D. (2017). Just breathe: mastering breathwork. New York: Enliven Books.

Cooper, T. M. (2014). The integral being: A qualitative investigation of highly sensitive persons and temperament-appropriate careers. California Institute of Integral Studies, California, San Francisco.

Franco, L., Shanahan, D., & Fuller, R. (2017). A review of the benefits of nature experiences: More than meets the eye. International Journal of Environmental Research and Public Health, 14(8), 864. https://doi.org/10.3390/ijerph14080864

Grof, C., & Grof, S. (2010). Holotropic breathwork: A new approach to self-exploration and therapy. State University of New York Press.

Oschman, J., Chevalier, G., & Brown, R. (2015). The effects of grounding (earthing) on inflammation, the immune response, wound healing, and prevention and treatment of chronic inflammatory and autoimmune diseases. Journal of Inflammation Research, 8, 83. https://doi.org/10.2147/JIR.S69656

Serienstart für Berater: #How To Selbstreflexion

Selbstreflexion: Mein Gegenüber ist Experte seiner selbst

Neben den vielen Interessierten, die sich bei DeSelfie zu den Themen Persönlichkeitsentwicklung inspirieren lassen, lesen unsere Fachartikel gerne auch Profis aus der Beratungsbranche. Entsprechend möchten wir an der Stelle gerne ein zehnteiliges, schnell zu lesendes #How To Selbstreflexion für Berater teilen.

Und alle, die keine Profis sind, können anhand der #HowTos prüfen: Wenn Berater “sowas” machen, inwiefern spricht mich das an? Kann ich mir selbst vorstellen, das Thema Selbstreflexion in mein Leben zu integrieren? Zum Beispiel in meiner Rolle als Führungskraft – oder einfach “nur” als Frau oder Mann in einer Partnerschaft?

Und, spannend zu beobachten: Wie verhalten sich eigentlich Berater in meinem Umfeld, falls ich welche kenne? Was ist mein Bild von einem “typischen Berater”? Inwiefern hat das hier etwas mit dem Bild zu tun, inwiefern nicht? Kenne ich selbst gute Vorbilder – oder “Anti-Helden” in Sachen Selbstreflexion? Auch eine spannende Frage: Was hat Selbstreflexion mit den Themen Agilität in Unternehmen zu tun? Was mit dem Thema Partizipation in Familie und Gesellschaft? DeSelfie meint: sehr viel!

Wer sich seiner Haltung zu „eigenen Themen“, Dauerbrennern, Glaubenssätzen und Erfahrungen bewusster ist und diese einordnen kann, der geht oft flexibler und für den Prozess zielführender mit Fragestellungen und Problemen um. Here we go, Impuls Nummer 1:

Selbstreflexion unter Profis

Studienergebnis: Glücklich ist jener, der einen sensiblen Coach erwischt

Charlotte Friedrich hat sich in ihrer Forschung mit Hochsensibilität und der Frage beschäftigt, wie Profis, die hochsensibel sind, ihr Temperamentsmerkmal in der Arbeit mit Klienten erleben. Ein noch weitgehend unerforschtes Gebiet.

In der vergangenen Zeit haben wir gelernt, dass unsere Artikel nicht nur von interessierten “Selbstlernern” gelesen werden, sondern auch vielfach von Profis aus dem Fach. Von Systemikern – und von Therapeuten, Coaches, Organisationsentwicklern weiterer “Schulen”. Auch Führungskräfte lassen sich inspirieren. Finden wir gut, denn: Müssten nicht eigentlich alle Therapeuten, Berater, Coaches, ja und auch Führungskräfte, besonders selbstreflektiert sein? Am besten mehrere Psychotherapien durchlaufen haben – oder zumindest einen großen Willen zur lebenslangen Persönlichkeitsentwicklung und zur Selbstreflexion inne haben?  

Ja, da können wir von DeSelfie nur sagen: Es wäre sehr wünschenswert. In diesem Sinne freuen wir uns über unsere “Experten”-Rubrik – die natürlich auch alle anderen Leser lesen können, dürfen, sollen. Lesen Sie selbst.

Erst einmal atmen – meistens sehr hilfreich:-) – Danke an Unsplash Sommi