Selbstreflexion in der Gruppe

Transformer Coaching

Machen Sie das auch so? Wenn Sie ein bestimmtes Thema interessiert und Sie sich Wissen darüber aneignen wollen, dann googeln Sie erst einmal. Lassen sich Treffer anzeigen. Lesen Artikel dazu oder sehen sich YouTube-Videos an, recherchieren in Wissensportalen, hören Podcasts, absolvieren kostenlose Online-Checks oder tragen sich für wöchentliche Newsletter-Challenges ein.

DeSelfie: Googeln heißt Kennen, nicht Können. Transformer Coaching. Danke an Christian Wiediger by Unsplash

Weniger Konsum heißt: mehr Zufriedenheit

Selbstreflexion über Konsum
bringt persönliche Vorteile

Endlich konnten wir wieder einmal die Zeit nutzen, um eine wissenschaftliche Studie genauer unter die Lupe zu nehmen. Dieses Mal fiel unser Augenmerk auf die Untersuchung eines US-amerikanischen Forscherteams rund um die deutsche Forscherin Dr. Sabrina Helm. Thema: Konsum. Sie lehrt an der University of Arizona im Bereich Einzelhandel- und Konsumwissenschaften. Für die Studie hat sie sich mit Kollegen der Familien- und Sozialwissenschaften zusammengetan: Joyce Serido, Sun Young Ahn, Victoria Ligon und Soyeon Shim. Die Forscher wollten wissen: Macht mehr Konsum zufriedener – oder unzufriedener? Wir fragen zurück: Und wenn so oder so – wie können wir Selbstreflexion sinnvoll und zukunftsorientiert nutzen, um unser Verhalten zu überdenken?

Wissenschaftlich erwiesen: Mehr “grüne Produkte” zu shoppen macht nicht unbedingt gefühlt zufriedener – ein bewusster Konsumverzicht hingegen schon. Danke an Pexels.

Im größeren Kontext der Studie geht es um das Konsumverhalten von 18- bis 26-jährigen College-Studierenden in den USA. Es haben 968 Probanden an der Studie teilgenommen. Ein Ziel war es, Zusammenhänge von Konsum bzw. Verzicht und Wohlbefinden herzustellen. Die Forscher wollten also herausfinden: Fühlt man sich wohler (= ist glücklicher, zufriedener, irgendeine Auswirkung, die zu spüren ist), wenn man von herkömmlichen Produkten auf “grüne” Produkte umsteigt – und somit ökologisch bewusster konsumiert bzw. handelt? Nein. Wer auf nachhaltigere Produkte umsteigt, fühlt sich nicht unbedingt besser (weil er oder sie zum Beispiel etwas für den kollektiven Klimaschutz beigetragen hat). Interessant.

Konsum: weniger Eigentum = mehr Freiheit

Was stattdessen herausgefunden wurde, bestätigt eine alte Weisheit, die da heißt „Eigentum verpflichtet“. Wer Eigentum anhäuft, ist nicht unbedingt gelassener. Und die Wissenschaftler begründen das damit, dass die Verpflichtungen rund um Eigentum einfach aufwändig und stressig für Menschen sein können. Weniger Eigentum zu haben befreit eher. Und das wirkt sich wiederum positiv auf das Wohlbefinden aus. Das Wohlbefinden erhöht sich also, wenn wir auf materielle Dinge verzichten.

Der Schlüssel: Motivationen verstehen

Die Forscher testeten unterschiedliche Hypothesen, die materiellen Besitz mit persönlichem Wohlbefinden, finanzieller Zufriedenheit, und psychologischem Stressempfinden korrelierten. Wenn man junge Menschen also wirklich dazu bringen möchte, weniger materialistisch zu handeln (um zum Beispiel klimafreundlicher zu leben), dann kann das nicht gelingen, indem man noch mehr alternative Produktstrategien entwirft. Die Forscher sehen den Schlüssel eher darin, junge Leute dafür zu begeistern, dass das Reduzieren von Konsum nicht eine Abnahme der Lebensqualität bedeutet, sondern, wie durch diese Studie unterstützt, das Wohlbefinden eher erhöht.

Dieses Verständnis der Motivationsstruktur junger Verbraucher ist von wesentlicher Bedeutung.

Shareconomy heißt: Wir sollten alle lernen, wie “gutes Teilen” gehen kann. Dank an Pexels.

Selbstreflexion zum Thema Konsum

Das führt uns auf individueller Ebene zu Fragen wie:

  • Wie gehe ich mit Eigentum um?
  • Wie wichtig sind mir materielle Dinge, wie wichtig immaterielle?
  • Inwiefern beeinflussen mich materielle Käufe positiv oder negativ?
  • Welchen Beitrag leiste ich selbst für oder gegen die Umwelt?
  • Wie würden mich meine engsten Freunde und meine Familie einschätzen?

Auf kollektiver Ebene sind Fragen zum Thema Konsum und Selbstreflexion relevant wie:

  • Wenn junge Menschen Dinge nicht mehr unbedingt besitzen wollen, was wollen sie stattdessen?
  • Welche Auswirkungen hat das auf die älteren Generationen?
  • Wofür wollen oder müssen junge Menschen Geld verdienen?
  • Wenn ihr Hauptaugenmerk nicht das Geldverdienen und die Anhäufung von Geld per se ist – was dann?
  • Wie können Unternehmen mit der Anspruchshaltung dieser Generationsvertreter gut umgehen?

Shareconomy bedeutet: teilen von Autos, Büros, Wohnungen, kleineren Konsumgütern oder größeren Dienstleistungen. Wir von DeSelfie nehmen wahr: Ja, es gibt junge Menschen, die das so sehen und auch verfolgen – und das sind sicherlich nicht alle. Immer noch streben auch junge Menschen den Erwerb von Immobilien oder den Kauf von teuren Autos an. Es kommt darauf an, wie sie sozialisiert sind. Und was Eltern und Großeltern vorgelebt haben – welche Werte sie sich im Erwachsenenalter dazu erwerben oder welche sie ablegen oder ausbauen möchten.

Lassen Sie uns miteinander in Kontakt treten, so dass Dialogräume über Fragen wie diese entstehen können.

Die Studie im Originaltext zum Nachlesen

Hier lesen Sie die Studie im englischen Original-Text gerne nach.

DeSelfie heißt, sich selbst auf der Spur sein.

Atemarbeit: Selbstregulation

Ein Werkzeug, das Sie stets dabeihaben

Vom ersten bis zum letzten Atemzug, ob Tag oder Nacht, der Atem ist unser ständiger Begleiter. Oft schenken wir ihm kaum Beachtung, denn in der Regel atmen wir ganz automatisch. Bewusst wird er uns dann, wenn er sich verändert. Wenn uns zum Beispiel vor einer Präsentation vor Nervosität der Atem stockt, es uns durch starke Emotionen den Atem verschlägt oder uns aufgrund physischer Anstrengung die Luft ausgeht. Denn der Atem ist eng mit einer ganzen Reihe physiologischer Mechanismen verbunden, beispielsweise, um uns in Situationen, die wir als gefährlich wahrnehmen, auf Kampf, Flucht oder Starre vorzubereiten. Doch der Atem hat noch viele weitere Funktionen. Atemarbeit – ein wunderbares Instrument zur Selbstreflexion und Selbstregulation. Von Charlotte Friedrich.

Atmen! Wenn gar nichts mehr hilft, Atmen hilft immer und in jedem Fall. Danke an Pexels.

Selbstfürsorge gegen Reizüberflutung

Unsere Autorin Charlotte Friedrich hat sich in ihrer Forschungsarbeit im Bereich der Positiven Psychologie mit der Frage beschäftigt, was hochsensible Menschen tun, um sich im Alltag immer wieder zu stärken. Wir von DeSelfie finden das sehr spannend, denn von den Befragten können wir alle sehr viel lernen! Menschen, die besonders sensible Wahrnehmungskanäle besitzen nehmen noch viel mehr auf als wir, die wir uns vielleicht nicht so sensibel einschätzen. Das ist ein hochaktuelles Thema, denn schließlich sind viele von uns vielfachen, mehrdimensionalen Reizen ausgesetzt. Lesen Sie sieben Tipps, wie wir besonders gut Selbstfürsorge für uns betreiben können.

Wer viel wahrnimmt, sollte hin und wieder gut abschalten. Abtauchen aus Social Media.

Wie betreibe ich Selbstfürsorge?

7 Tipps zur besseren Selbstfürsorge

In Charlotte Friedrichs Forschung kristallisierten sich sieben Methoden als besonders hilfreich heraus:

  1. Zeit alleine und in Stille war die wichtigste Maßnahme für die Befragten, um ihre Energiespeicher wieder aufzufüllen.
  2. Bewusst mit dem Atem arbeiten: Hierzu zählten simple Techniken wie die Bewusstmachung und der Fokus auf den Atem in herausfordernden Situationen – aber auch weniger bekannte Atemtechniken, wie etwa “Holotropes Atmen” nach Stan Grof.
  3. Und ganz wichtig: Bewegung: Ob Spazierengehen oder Yoga, tägliche Bewegung spielte für die Befragten eine Schlüsselrolle als Ausgleich zu mentalen Herausforderungen.
  4. Erden: Eine simple Technik, die inzwischen wissenschaftlich viel Unterstützung findet. Die Füße oder den Körper in direkten Kontakt mit der Erde unter sich zu bringen oder wenn dies nicht möglich ist, diese Verbindung zu visualisieren, erlaubt es einigen Befragten, sich zentrierter und ruhiger zu fühlen – und Gefühle von Reizüberflutung zu reduzieren.
  5. Zeit in der Natur: Ein essentieller Energiegeber für viele der Hochsensiblen. Während manche besonders gerne im oder am Wasser waren, fanden andere bei einem kurzen Spaziergang im Wald wieder zu sich selbst. 
  6. Transzendentale Erfahrungen: Die Verbindung zu etwas Größerem als dem Selbst – wie zum Beispiel durch Meditation oder Flow- Erlebnisse – wurde von den Befragten als wichtig und hilfreich erlebt.
  7. Grenzen setzen: Öfter mal „Nein“ zu sagen oder soziale Aktivitäten zu reduzieren, wurde von den Befragten als wesentlich eingestuft, um das eigene Energielevel nicht zu erschöpfen.
Die Seele und die Füße öfter baumeln lassen. Für manche unter uns ein hartes Training…

Allerdings: Ohne Disziplin geht nichts

In der wissenschaftlichen Befragung wurde mehrfach von den Probanden betont, wie wesentlich eine disziplinierte Selbstfürsorge sei, um negativen Auswirkungen der Hochsensibilität vorzubeugen (wie Gefühle von Erschöpfung und Überforderung). Das bedeutet vor allem Regelmäßigkeit, wie etwa tägliche Bewegung, selbst wenn sich die Befragten nicht danach fühlten.

Fragen zur Selbstreflexion

  • Wie steht es um Ihre Selbstfürsorge?
  • Was füllt Ihre Energiespeicher auf, was leert sie?
  • Welche Methode könnte Ihr persönliches Selbstfürsorge-Repertoire erweitern? 

Weiterführende Literatur

Aron, E. (1996). The highly sensitive person: How to thrive when the world overwhelms you. New York: Broadway Books.

Barnett, J., Baker, E., Elman, N., & Schoener, G. (2007). In pursuit of wellness: The self-care imperative. Professional Psychology: Research and Practice, 38(6), 603–612. https://doi.org/10.1037/0735-7028.38.6.603

Brulé, D. (2017). Just breathe: mastering breathwork. New York: Enliven Books.

Cooper, T. M. (2014). The integral being: A qualitative investigation of highly sensitive persons and temperament-appropriate careers. California Institute of Integral Studies, California, San Francisco.

Franco, L., Shanahan, D., & Fuller, R. (2017). A review of the benefits of nature experiences: More than meets the eye. International Journal of Environmental Research and Public Health, 14(8), 864. https://doi.org/10.3390/ijerph14080864

Grof, C., & Grof, S. (2010). Holotropic breathwork: A new approach to self-exploration and therapy. State University of New York Press.

Oschman, J., Chevalier, G., & Brown, R. (2015). The effects of grounding (earthing) on inflammation, the immune response, wound healing, and prevention and treatment of chronic inflammatory and autoimmune diseases. Journal of Inflammation Research, 8, 83. https://doi.org/10.2147/JIR.S69656

Serienstart für Berater: #How To Selbstreflexion

Selbstreflexion: Mein Gegenüber ist Experte seiner selbst

Neben den vielen Interessierten, die sich bei DeSelfie zu den Themen Persönlichkeitsentwicklung inspirieren lassen, lesen unsere Fachartikel gerne auch Profis aus der Beratungsbranche. Entsprechend möchten wir an der Stelle gerne ein zehnteiliges, schnell zu lesendes #How To Selbstreflexion für Berater teilen.

Und alle, die keine Profis sind, können anhand der #HowTos prüfen: Wenn Berater “sowas” machen, inwiefern spricht mich das an? Kann ich mir selbst vorstellen, das Thema Selbstreflexion in mein Leben zu integrieren? Zum Beispiel in meiner Rolle als Führungskraft – oder einfach “nur” als Frau oder Mann in einer Partnerschaft?

Und, spannend zu beobachten: Wie verhalten sich eigentlich Berater in meinem Umfeld, falls ich welche kenne? Was ist mein Bild von einem “typischen Berater”? Inwiefern hat das hier etwas mit dem Bild zu tun, inwiefern nicht? Kenne ich selbst gute Vorbilder – oder “Anti-Helden” in Sachen Selbstreflexion? Auch eine spannende Frage: Was hat Selbstreflexion mit den Themen Agilität in Unternehmen zu tun? Was mit dem Thema Partizipation in Familie und Gesellschaft? DeSelfie meint: sehr viel!

Wer sich seiner Haltung zu „eigenen Themen“, Dauerbrennern, Glaubenssätzen und Erfahrungen bewusster ist und diese einordnen kann, der geht oft flexibler und für den Prozess zielführender mit Fragestellungen und Problemen um. Here we go, Impuls Nummer 1:

Selbstreflexion unter Profis

Studienergebnis: Glücklich ist jener, der einen sensiblen Coach erwischt

Charlotte Friedrich hat sich in ihrer Forschung mit Hochsensibilität und der Frage beschäftigt, wie Profis, die hochsensibel sind, ihr Temperamentsmerkmal in der Arbeit mit Klienten erleben. Ein noch weitgehend unerforschtes Gebiet.

In der vergangenen Zeit haben wir gelernt, dass unsere Artikel nicht nur von interessierten “Selbstlernern” gelesen werden, sondern auch vielfach von Profis aus dem Fach. Von Systemikern – und von Therapeuten, Coaches, Organisationsentwicklern weiterer “Schulen”. Auch Führungskräfte lassen sich inspirieren. Finden wir gut, denn: Müssten nicht eigentlich alle Therapeuten, Berater, Coaches, ja und auch Führungskräfte, besonders selbstreflektiert sein? Am besten mehrere Psychotherapien durchlaufen haben – oder zumindest einen großen Willen zur lebenslangen Persönlichkeitsentwicklung und zur Selbstreflexion inne haben?  

Ja, da können wir von DeSelfie nur sagen: Es wäre sehr wünschenswert. In diesem Sinne freuen wir uns über unsere “Experten”-Rubrik – die natürlich auch alle anderen Leser lesen können, dürfen, sollen. Lesen Sie selbst.

Erst einmal atmen – meistens sehr hilfreich:-) – Danke an Unsplash Sommi

Methode Selbstreflexion für Frauen: Zyklusbewusstsein

Zyklus Bewusstsein in acht Schritten

Ok, Männer können jetzt gleich weiterklicken. Oder etwas wirklich Wichtiges über Frauen erfahren. Wir bei DeSelfie haben erkannt: Wir haben einen wirklich wesentlichen Rahmen zur Selbstreflexion übersehen: Frauen durchlaufen den Großteil des Lebens monatliche Menstruationszyklen, die unsere Stimmung und unser Energielevel durch hormonelle Veränderungen beeinflussen. Weiblicher Zyklus: Die Spurensuche unserer Autorin Charlotte Friedrich hat uns noch einmal sehr dafür sensibilisiert. Vielen Dank dafür – und lesen Sie selbst!

DeSelfie: Zyklusbewusstsein kann Frauen (und deren Männern) helfen, besser durchzublicken, was gerade los ist… Danke an Unsplash und Josefin.

Verbundenheit mit und ohne Social Media

Dialogische Kommunikation als Kernkompetenz der Zukunft

DeSelfie kommentiert und verlinkt interessante Artikel, Projekte und Menschen für Schnell-Leser: heute ein Artikel aus dem Buch „Verbundenheit“ – herausgegeben von Gerald Hüther und Christa Spannbauer. Wir haben die Zeit genutzt, um Bücher zu lesen. Dieses hier passt besonders gut zu DeSelfie – vor allem der Artikel „Vom Ich zum Du zum Wir?“ von Barbara von Meibom. Eine Anregung zur Selbstreflexion.

DeSelfie: Verbundenheit, Kommunikation und Selbstreflexion – Danke an rawpixel

DeSelfie Erfahrungsbericht: Selbstfürsorge als Frau

Das natürliche Selbst entdecken 

Ein sehr persönliches DeSelfie von unserer Autorin Charlotte Friedrich: Gemeinsam mit 40 Frauen, die jüngste gerade mal 20, die älteste über 70 Jahre alt, war sie einen Monat lang mit sich selbst beschäftigt – und auf den Spuren des Frauseins. Auf eindrückliche Weise schildert sie ihre Erfahrungen, wie es sich anfühlt, im Kreise anderer Frauen sich selbst auf der Spur zu sein. Der eigenen Weiblichkeit, dem zyklischen Denken und dem eigenen Wollen und Können.

Viel Freude bei diesem berührenden, sinnlichen und tiefsinnigen Longread. Nehmen Sie sich bitte ausreichend Zeit dafür. Selbstreflexion passiert nicht von der einen Minute auf die andere…

DeSelfie: Unsere Autorin Charlotte Friedrich – mit Dank an Noemie Bourdin-Habert

Methode zur Selbstreflexion: Systemische Filmanalyse

Bewusst einen Film sehen – und sich im Anschluss Fragen stellen

Es gibt viele Momente im Leben, die uns zur Reflexion inspirieren können. Oder anders herum gedacht: Wir können die Momente der Reflexion auch aktiv ins Leben holen, wenn wir das wollen. Einen oft sehr lohnenswerten Reflexionsraum bietet das Medium Film. Das heißt nicht, dass wir ab sofort und immer jeden Kino- oder Fernsehfilm, jede Netflix- oder Amazon-Prime-Serie analysieren, hinterfragen und mit uns selbst in Kontext betrachten und reflektieren müssen. Das wäre auf Dauer ganz schön anstrengend! Und verkopft!

Film als Raum für Selbstreflexion, Danke an Pixabay

Das Medium Film kann und darf natürlich auch einfach nur Spaß machen – dem Abschalten, Loslassen, Träumen, Abschotten von der Realität dienen. Keine Frage. Nicht umsonst beschäftigen sich ganze Forschungssstränge in der Medienpsychologie mit sogenannten „Uses-and-Gratification-Ansätzen“. Die befassen sich mit Eskapismus und Medienkonsum als Alltagsflucht. Wir alle wissen: Film kann zum Spannungsabbau extrem hilfreich sein.

Film einmal bewusst anschauen

Wenn wir Energie und Lust haben, Filme einmal anders anzuschauen, dann bietet sich die Systemische Filmanalyse an. Auf diese Art können wir uns ganz spezielle Filme bewusst heraussuchen – und diese einmal unter anderen Aspekten betrachtet anschauen. Also danach: erst einmal wirken lassen. Nicht sofort umschalten, twittern, weiterschalten, einen weiteren Film ansehen oder durch You-Tube-Kanäle skippen. Nein. Nach dem Schauen das Gesehene bewusst wirken lassen. Entschleunigen.

Programmfilm statt Blockbuster

In der Regel eignen sich dafür weniger typische Blockbuster. Was nicht heißt, das wir auch in bombastischen Hollywood-Filmen einen guten Resonanzboden für eigene Überlegungen und Haltungen finden könnten – sondern eher Programmfilme, die eine tiefere Reflexionebene zulassen. Filme, die Bezug zum eigenen Kulturkreis haben, die alltagsrelevante Themen zeigen, die eher wenig Hauptdarsteller und Nebendarsteller haben, die realitätsnahe Geschichten zeigen.

DeSelfie Systemische Filmanalyse – Danke an Freestocks.org

Film ist das Leben in 100 Minuten

Es gibt genügend Filme, die uns jene Grundthemen liefern, die uns auch im wirklichen Leben beschäftigen. Filmexperte Bernhard Moritz sagt: “Wirkungsvolle Filme versetzen uns in eine Art ,Übergang zwischen Sehnsucht und Erfüllung’. Sie arbeiten mit dem Erhalt dieses Zwischenzustands. Ein Film ist das Leben in 100 Minuten. Ein Film ist das Leben, aus denen man die langweiligen Stellen herausgeschnitten hat.“

Wirkungsvolle Filme liefern uns Grundthemen und Gegensätzlichkeiten aus dem klassischen Drama und der Idee der Heldenreise wie Erhaltung vs. Zerstörung, Triumph vs. Erniedrigung, Wahrheit vs. Täuschung, Erfolg vs. Misserfolg, Angriff vs. Flucht, gewohnte Welt vs. neue Welt, Sinn des Lebens, Karriere, Liebe, Altwerden.

Im Zentrum ist das Wie

Im Vergleich zur klassischen psychoanalytischen Filmanalyse können wir nach dem Schauen des Films die Chance nutzen, und nicht das Warum der Handlungen erforschen, sondern das Wie.

  • Wie geht die Heldin / der Held mit der Situation um?
  • Was zeichnet ihr / sein Verhalten  in bestimmten Situationen aus?
  • Wie kommt die Heldin / der Held zu seinen Entscheidungsfindungen?

Am Anfang steht die Filmauswahl

Wir können den Film alleine oder mit mehreren Personen anschauen. Zunächst gilt es die Auswahl zu überlegen. Welchen Film wähle ich aus? Ist er auf Netflix oder Amazon vorhanden, muss ich ihn als DVD besorgen?

Folgende Fragen können bei der Auswahl helfen:

  • Inwiefern fand der Film Anklang bei nationalen oder internationalen Film-Festivals und Filmkritik?
  • Inwiefern stimmen mich die Kritiken über den Film zuversichtlich, dass er bei mir Resonanz findet?
  • Was reizt mich generell an der Handlung?
  • Bietet der Film ein Grundthema, das mir wichtig ist und mit dem ich mich auseinandersetzen will?
  • Und die wichtigste Frage: Bin ich neugierig auf die Handlung – und bin ich neugierig, was die Handlung und das Gesehene, Gehörte, Erlebte bei mir (und anderen) auslöst?

Generell sind es eher die „leisen“ und scheinbar unspektakulären Filme, die das scheinbar Gewöhnliche zeigen, die am meisten in uns auslösen. Es geht häufig um Konfrontationen mit der Wirklichkeit, um Muster und Glaubenssätze, um das Scheitern als filmisches Element, um Paradoxien und Spannungen, um Übergangsphasen von dem einen zum anderen.

Reflexionsraum Film DeSelfie – Danke an Pexels

Zehn mögliche Fragen

Nachdem Sie den Film angesehen haben, bieten sich folgende zehn Fragen an. Sie sollten sich ausführlich Zeit dafür nehmen. Notieren Sie sich Ihre Gedanken auf ein Blatt Papier – oder bitten Sie einen in der Runde, wenn Sie mehrere Personen sind, die interessantesten Punkte mitzunotieren.

  1. Was hat der Film mit mir selbst zu tun?
  2. Was hat mich beeindruckt am Verhalten der Protagonisten?
  3. Bei welchen konkreten Szenen, die mir in Erinnerung sind, habe ich etwas gespürt?
  4. Bei welchen Personen im Film hatte ich das Gefühl, dass mir die Person bekannt vorkommt?
  5. Welche Filmperson berührt mich am meisten?
  6. Welche Filmperson löst andere Gefühle bei mir aus?
  7. In welchen Flmpersonen finde ich Anteile von mir selbst wieder?
  8. Welche Lösungsansätze im Film sprechen mich an, welche nicht?
  9. Was würden bestimmte Freunde / der Partner / die Eltern wohl sagen, was sie am Film berührt hätte?
  10. Welche Erkenntnisse aus dem Film möchte  ich für mich weiter verfolgen?

Viel Freude beim Schauen, Reflektieren, sich Finden und Analysieren!

Sie finden die Methode spannend?

In unserem Artikel über Selbstreflexion schreiben wir über weitere Resonanzräume, die wir als Anstoß für Selbstreflexion nutzen können.

Hier gibt es weitere Methoden zur Selbstreflexion.

Interessante Links

Wir von DeSelfie bedanken uns ganz herzlich bei den vielen guten Inspirationen von Bernhard Moritz, www.paarberatung-tirol.at – der Cineast unter den Systemischen Therapeuten. Vielen herzlichen Dank für die wunderbaren Inhalte und Impulse aus dem Seminar „Systemische Filmanalyse“.

Im angloamerikanischen Bereich hat Filmanalyse für Therapie und Coaching einen festen Platz. Wer sich für Cinema Therapy interessiert, findet hier eine wunderbare Schatzkiste an Filmen.