5 (100%) 11 votes

DeSelfie: Mehr Zyklusbewusstsein in acht Schritten

Ok, Männer können jetzt gleich weiterklicken. Oder etwas wirklich Wichtiges über Frauen erfahren. Wir bei DeSelfie haben erkannt: Wir haben einen wirklich wesentlichen Rahmen zur Selbstreflexion übersehen: Frauen durchlaufen den Großteil des Lebens monatliche Menstruationszyklen, die unsere Stimmung und unser Energielevel durch hormonelle Veränderungen beeinflussen. Die Spurensuche unserer Autorin Charlotte Friedrich hat uns noch einmal sehr dafür sensibilisiert. Vielen Dank dafür – und lesen Sie selbst!

DeSelfie: Zyklusbewusstsein kann Frauen (und deren Männern) helfen, besser durchzublicken, was gerade los ist… Danke an Unsplash und Josefin.

Was ist Zyklusbewusstsein?

Der weibliche Zyklus kann durchaus auch Vorteile mit sich bringen. Zum Beispiel kann er uns dabei helfen, Klarheit in Entscheidungsprozessen zu schaffen. Vermehrt bewusst wird vielen Frauen dies jedoch erst seit der Pionierarbeit zweier Britinnen, die sich mit dem Thema in jüngster Zeit sehr intensiv auseinandergesetzt haben: Alexandra Pope und Sjanie Hugo Wurlitzer.  Sinngemäß sagen sie: Zyklusbewusstsein ist das Wissen um und die Wertschätzung von unseren einzigartigen zyklischen Energie- und Stimmungsmustern während des Menstruationszyklus.

Um den eigenen Zyklus besser zu verstehen und kennenzulernen, teilen Pope und Wurlitzer diesen in vier Phasen auf: “Winter”, “Frühling”, “Sommer” und “Herbst”. Einfach zu merken!

Der erste Tag der Menstruationsblutung gilt als Tag 1.
Ausgegangen wird von 28 Tagen Zykluslänge, die Zykluslänge variiert jedoch naturgemäß von Frau zu Frau.

Winter – Menstruationsphase (ca. Tag 26 – 5)

Während sich der Köper auf die Menstruation vorbereitet, beginnt unser Kräftehaushalt zu sinken. Er erreicht meist kurz vor der Monatsblutung den niedrigsten Punkt (während unser Progesteronlevel sinkt). Das Einsetzen der Menstruation bringt dann oftmals ein Gefühl von Erlösung, Erleichterung und Klarheit (dank eines Schubs Oxytocin). Gleichzeitig sind wir besonders empfindsam und intuitiv.

Oft besteht der Wunsch nach Rückzug, Entspannung und Ruhe. Es ist eine Zeit der Introspektion und des Innehaltens, die es uns ermöglicht, Altes los zu lassen und Visionen, Inspirationen und Pläne für den nächsten Monat entstehen zu lassen. Gleichzeitig ist es eine natürliche Phase der Ruhe und Erholung für Körper und Geist. Sie ermöglicht es uns, uns in anderen Zyklusphasen erfrischt und voller Energie zu fühlen.

Frühling – Pre-Ovulationsphase (ca. Tag 5 – 12):

Der “innere Frühling” bringt eine Veränderung unseres Fokus mit sich: Wie erwacht vom Winterschlaf, richtet sich die Aufmerksamkeit wieder auf unsere Umwelt und andere Menschen. Unser Kräftehaushalt beginnt anzusteigen (zusammen mit unserem Östrogenlevel) und bringt Gefühle wie Klarheit, Fokus und Motivation mit sich.

Der Frühling repräsentiert Erwachen und Wachstum. Trotz Vitalität und Energie sind wir noch weiterhin empfindsam und es lohnt sich, schonend mit der zurückgewonnenen Energie umzugehen.

Sommer – Ovulationsphase (ca. Tag 12 – 19):

Der innere Sommer ist eine Zeit für soziale Aktivitäten und die Umsetzung unsere Pläne und Visionen. Frauen berichten von einem Gefühl des Ankommens und Wohlfühlens im Fluss des Lebens, während sie den Höhepunkt ihrer Kräfte (und des Östrogenlevels) erreichen. Nun haben wir vielleicht auch mehr Zeit und Geduld für andere.

Es ist eine Zeit des Vertrauens in sich selbst und die eigenen Fähigkeiten. Diese Hochleistungsphase wird in unserer Gesellschaft besonders wertgeschätzt und häufig auf den gesamten Monat ausgedehnt, was zu Erschöpfung und Folgeerkrankungen führen kann.

DeSelfie: Zyklusbewusstsein im Jahreszeitenwechsel. Danke an Unsplash und Dallas Reedy

Herbst – Prämenstruelle Phase (ca. Tag 19 – 26):

In der zweiten Zyklushälfte sinkt unser Energielevel allmählich (genau wie der Östrogenlevel, während der Progesteronlevel erst ansteigt und dann ebenfalls abfällt). Der Fokus richtet sich wieder mehr nach innen und auf die eigenen Bedürfnisse.

Während wir sensibler und auch verletzlicher werden (zum Beispiel gegenüber kritischen Kommentaren, die in der “Sommerzeit” sonst von einem abprallen würden) haben wir nun die Gelegenheit, uns darüber klar zur werden, was in unserem Leben funktioniert und was nicht. Unser Auge für Details ist besonders geschärft und wir können die Zeit nutzen, um Altes loszulassen. Symbolisch steht der Herbst für Abkühlung, Loslassen, Reflexion.

Die aktiven Phasen: Frühling und Sommer

Die beiden aktiveren Phasen des Zyklus sind Frühling und Sommer, auch als „Aufblühen“ bezeichnet. Hier richtet sich der Fokus nach außen.

Die nach innen gerichteten Phasen: Herbst und Winter

Der Herbst und Winter sind Phasen des „Loslassens“, in denen sich der Fokus nach innen richtet. Sind wir es gewohnt, im ständigen Tun und Leistungsmodus zu sein und erlauben es uns selten, ruhig zu werden, den Fokus nach innen zu richten und auch unangenehme Emotionen willkommen zu heißen, kann diese Zeit besonders herausfordernd sein.

Dabei sind es genau die „Herbst-Emotionen“, die richtungsweisend sein können und uns näher zu uns selbst und unserer Intuition bringen und damit unseren Zyklus zu einem idealen Mittel der Selbstreflexion machen.

Zyklusbewusster in 8 Schritten – so funktioniert’s:

  1. Protokollieren Sie Ihren Zyklus täglich in ein paar Worten (Stimmung & Emotionen, Energielevel, vorherrschende Gedanken)
  2. Das Startdatum ist der erste Tag der Blutung, das Enddatum der letzte Tag des Zyklus vor der nächsten Blutung.
  3. Am Ende des Zyklus protokollieren Sie die  Zykluslänge, also die Anzahl der Tage, z.B. 29 Tage oder 33 Tage.
  4. Beobachten Sie, wann eine “Jahreszeit” endet und eine andere beginnt Diese Übergangstage werden individuell unterschiedlich wahrgenommen und können sich herausfordernd anfühlen, da sich unsere vorherrschende Energie und Stimmung verändern.

    …und die Schritte 5 bis 8

  5. Wichtige Ereignisse: Schreiben Sie alle wichtigen Ereignisse des Monats auf (z.B. Reisen) und beobachten Sie, wie sie den Zyklus beeinflussen.
  6. Schauen Sie sich Ihre Notizen am Ende jedes Zyklus an. Welche dominanten Gefühle und Erfahrungen hatten Sie in diesem Monat?
  7. Mit jedem Start einer neuen Periode beginnen Sie ein neues Protokoll.
  8. Um ein Verständnis für wiederkehrende Themen und Muster in Ihren Emotionen und Energien zu entwickeln, ist es empfehlenswert, jeden Tag ein paar Worte zu notieren und idealerweise für ein ganzes Jahr kontinuierlich Protokoll zu führen. Schon nach ein paar Zyklen werden Muster bzw. Veränderungen meist deutlich sichtbar und erlauben Ihnen, im kommenden Monat bewusste Entscheidungen zu treffen und vorher zu planen.

DeSelfie: Zyklusbewusstsein. Danke an Unsplash und Travelnow or Crylater

Die 1%-Regel

Da unsere Gesellschaft nicht auf das Weiblich-Zyklische ausgerichtet ist und die meisten von uns sich die Arbeitszeit, Familienzeit oder Verpflichtungen nicht frei einteilen können, kann uns die sogenannte 1%-Regel dabei helfen, das Zyklusbewusstsein langsam, aber sicher, in unser Leben zu integrieren. Vielleicht können wir nicht alles „ideal“ ausrichten, aber wir können uns immer fragen:

Wie kann ich meine Pläne nur um ein Prozent so anpassen, dass sie meine momentane Phase unterstützen? Signalisieren wir unserem Körper, dass wir unser Bestes tun, beginnen wir wieder in Kontakt mit uns selbst zu treten und besser zu verstehen, was wir wann brauchen und wie wir es uns in unserem Alltag ermöglichen können.

Soziales im “Sommer”

Wenn Frauen auf diese Weise beginnen, ihren Zyklus bewusst zu verfolgen, kommt es zu überraschenden Einsichten. Zum Beispiel, wenn wir uns in unserer “sozialen Sommerphase” immer wieder viel zu viel für die kommenden Wochen vornehmen und uns dann in der “ruhigen Winterphase” gar nicht danach fühlen, viele Leute zu sehen.

Oder wenn wir “den Frühling” etwas ruhiger angehen lassen und dies plötzlich unsere PMS-Symptome lindert. Denn, unser Zyklus besteht aus mehr als nur Menstruation und Ovulation und wird leicht durch Stress oder unseren Lebensstil beeinflusst.

Werkzeug zur Selbstreflexion

Damit wird er ein wichtiger Marker für unser Gesamtwohlbefinden und zu unserem vielleicht wichtigsten Werkzeug zur Selbstreflexion.

Hinweis:
Bei der Einnahme von hormonellen Verhütungsmitteln kommt es nicht zu einer Menstruationsblutung, sondern lediglich zu einer Abbruchsblutung durch das zeitweise Aussetzen der Pharmaka. In diesem Fall sind die Veränderungen in Energie und Emotionen kaum vorhersehbar. Diese Nebenwirkung ist bisher kaum erforscht. Für mehr Informationen siehe The Pill: Are you sure it’s for you? (Allen und Unwin, 2008).

DeSelfie: Zyklusbewusstsein. Danke an Usplash und Joel Jasmin Forestbird

Auch interessant für Sie

Hier ein sehr persönliches DeSelfie unserer Autorin Charlotte Friedrich.

Und hier können interessierte Frauen Retreats mit Charlotte Friedrich besuchen.

Literatur zum Thema gibt es hier

RedSchool.net

Wild Power: Dein Zyklus als Quelle weiblicher Kraft von Alexandra Pope & Sjanie Hugo Wurlitzer

THE PILL: Are you sure its for you? von Allen & Unwin.

The menstrual cycle is all month long: An examination of women’s experiences of the menstrual cycle through personal narratives and art (Campanelli, Janice M.)