Über uns Handymenschen.

Danke an rawpixel.com
Herausgepickt: DeSelfie kommentiert und verlinkt interessante Artikel, Projekte und Menschen für Schnell-Leser. Dieses Mal haben wir eine spannende Reportage aus dem Jahr 2018 zum Hören wiederentdeckt: “Handyman. Eine Anatomie des digitalisierten Menschen” war damals schon kein Science-Fiction, sondern ein Statusbericht unserer Zeit, beleuchtet von unterschiedlichsten Perspektiven – technologisch, psychologisch und gesellschaftlich. Und die Beobachtungen sind aktueller denn je. Sind wir mal ehrlich: Wer gönnt sich heutzutage 54 Minuten Konzentration für Radio, Podcast “einfach so” … ohne nebenher zu daddeln? Ohne aufs Smartphone zu schauen?
Danke an Matthias Morgenroth, hier geht es direkt zum Feature.
Worum geht es?
In der Sendung geht es darum, dass das Smartphone ein Teil von uns geworden ist – und unser Denken, Fühlen und Verhalten bereits verändert hat und weiter verändern wird. Wir können zur gleichen Zeit an verschiedenen “Orten” sein. Morgenroth beschreibt das ganz treffend: Es ist fast so, als würde uns das Smartphone Flügel verleihen und wir könnten überall sein – nur nicht bei uns selbst. Das Feature fragt: Was verändert das Wischen, Liken und Faken in uns Menschen? Was macht die ständige Verbundenheit mit dem Außen mit unserem Inneren?
Was ist interessant am Smartphone?
Es kommen hoch interessante Menschen zu Wort und die Spurensuche ist nicht anklagend, sondern forschend. Das passt gut zu DeSelfie, denn auch wir verstehen uns als Reflektierfläche für die Veränderungen, die die digitalisierte Welt mit sich bringt. Neurobiologe Gerald Hüther regt auch damals schon zum Beispiel an, dass es an der Zeit sei, dass wir uns hinterfragen sollten: Was für eine Person möchte ich als Mensch eigentlich werden? Mit und ohne Smartphone. Mit und ohne Internet. Viele Jahre später sitzt er bei Hotel Matze und führt seine Überlegungen fort. Hypnotherapeut Georg Milzner empfiehlt, die eigene Aufmerksamkeit mehr zu schulen, denn die gehe uns in der Smartphone-Welt allmählich verloren. Jürgen Schmidhuber setzt als Experte die Brille der Künstlichen Intelligenz auf, Psychotherapeut Jan Kalbitzer sieht sich die psychologische Seite des Smartphones an.
Was sagen Studien übers Smartphone?
Es gibt Studien, die belegen, dass, immer wenn wir eine neue Nachricht hereinbekommen, das zu einer Dopaminausschüttung führt. Die gleiche Reaktion also wie beim Glücksspiel oder Alkoholkonsum. Dieser Mechanismus unterstützt sozusagen den Griff zum Smartphone. Gleichzeitig bewegen wir uns durch die intelligente Algorithmus-Steuerung auf Wahrnehmungsinseln. Die Maschinen errechnen im Voraus, was wir voraussichtlich gut finden werden – ohne es vorher selbst zu wissen. Die Sozialwissenschaft nennt das “Singularisierung”, die Kommuniktionswissenschaft spricht von “Filter-Bubbles“.
Warum DeSelfie?
Wir überlegen im Moment auch, wie wir mehr Nutzer auf unsere Seite bekommen können. Bisher haben wir Instagram vermieden und unseren Newsletter nur an Interessierte verschickt. Auf LinkedIn sind wir vertreten. Dass eine Reichweitenerhöhung zwangsläufig auf die Nutzung Sozialer Medien hinausläuft, regt uns im Team zu allerlei Reflexionsrunden an. Denn nur auf diesem Weg können wir mehr Menschen erreichen und zu Reflexion anregen. Uns ist bewusst, dass dies paradox ist. Wir versuchen dennoch mit Abstand auf uns selbst zu blicken. Und uns auf der Spur zu bleiben. Trotz aller SEO-, Algorithmus- und KI-Mechanismen.
DeSelfie heißt: Sich selbst auf der Spur sein.