Grit: Auf Begeisterung und Ausdauer kommt es an

Was haben Mathespitzenschüler, Elite-Kadetten im Militär und Sales- Experten gemeinsam? Die erfolgreichsten unter ihnen zeichnen sich nicht durch ihre Intelligenz, Startbedingungen oder Talent aus, sondern durch “Grit”. Im Englischen bedeutet dieser Begriff in etwa “Biss” oder “Mumm” und wurde von der Neurowissenschaftlerin und Psychologin Angela Duckworth genutzt, um eine einzigartige Kombination aus Begeisterungsfähigkeit und langfristigem Durchhaltevermögen zu beschreiben.  Duckworth erforscht das Konzept der motivierten Beharrlichkeit seit Jahren und liefert uns überraschende Einblicke, was Menschen langfristig wirklich erfolgreich macht.  Danke an unsere Autorin Charlotte Friedrich für diese hilfreichen Einblicke!

Begeisterte Ausdauer, ausdauernde Begeisterung. Das ist das Geheimnis von Grit. pexels.com

Aufgeben oder Durchhalten: Was macht den Unterschied? 

Wer kennt das nicht? Wenn wir den Entschluss fassen, ein neues Ziel zu verfolgen oder eine Fähigkeit zu erlernen, so ist die Begeisterung zu Beginn meist groß. Treten jedoch die ersten Hindernisse auf, wird dieses Gefühl oft durch Frustration oder Antriebslosigkeit ersetzt. Vielleicht fragen wir uns, ob wir überhaupt talentiert oder diszipliniert genug sind. Vielleicht treibt uns unsere Neugier auch von einem Thema zum nächsten und nichts verschafft uns wirklich Zufriedenheit. Oder aber wir bleiben beharrlich, schaffen es erfolgreich zu unserem Ziel und fragen uns, wieso wir das nicht immer so hinbekommen. Was macht den Unterschied? 

Grit oder Talent? Was ist wichtiger? 

Oftmals bezeichnet “Talent” eine Reihe angeborener Eigenschaften, die einem einen Vorteil im Erlernen oder Durchführen bestimmter Fähigkeiten und Vorgänge verschaffen. Obwohl wir so vielleicht einen ersten Startvorteil haben, sind es nicht “Genie” oder “Talent”, die uns langfristig zum Ziel führen. Duckworth fand heraus, dass Grit der gemeinsame Faktor erfolgreicher Menschen zu sein scheint – egal ob es sich dabei um Comiczeichner, Lehrer oder Bankmanager handelt. 

Woher aber kommt Grit und können wir es lernen? 

Warum eine Person mehr Grit hat als eine andere, daran wird noch geforscht. Die gute Nachricht: Es gibt erste Indikatoren. Grit kann man lernen und über das Leben hinweg weiter entwickeln – oder aber auch verlieren. Das hängt in erster Linie von unserem Mindset ab: Sehen wir unsere Fähigkeiten insgesamt als festgesetzt oder veränderbar an? Glauben wir daran, dass wir uns verbessern können, so stehen unsere Chancen, Grit zu entwickeln besser. In diesem Artikel haben wir dieses sogenannte dynamische Selbstbild (Growth Mindset) näher beleuchtet: “Erfolg ist vor allem eines: Einstellungssache. Ohne eine solche dynamische Denkweise lassen sich alte Verhaltensweisen schwer ändern und Rückschläge können uns schwer treffen.

Welche weiteren Faktoren eine Rolle spielen, darüber sind sich die Forscher noch nicht im Klaren. Bisher wissen wir jedoch: damit aus Interesse Begeisterung wird und aus ersten Übungsversuchen Durchhaltevermögen, braucht es Sinnhaftigkeit und Hoffnung. Und auch diese Faktoren lassen sich beeinflussen. 

Grit – Leistungsschwimmer und alle Leistungssportler kennen das gut. Danke an pexels.com

Grit ist eine Frage von Sinnhaftigkeit und Hoffnung

Notwendigerweise sollte am Anfang das Interesse für ein bestimmtes Thema oder Ziel stehen. Als nächstes dann die Möglichkeit, an diesem Thema oder Ziel zu arbeiten und gewisse, damit verbundenen Fähigkeiten zu erproben. Also zum Beispiel ein Instrument zu spielen oder Kommunikationsfähigkeiten zu entwickeln. Ob neue Interessen und Ziele wieder fallengelassen werden, sobald Hindernisse und Herausforderungen auftreten, hängt vor allem von der wahrgenommen Sinnhaftigkeit ab. Also, für wie bedeutsam die Person das Unterfangen für das eigenen Leben und das Wohl der Allgemeinheit betrachtet. “Grit” ist nur dann möglich, wenn Sie Ihr Ziel für sinngebend erachten. 

Zu guter Letzt brauchen Sie eine gewisse Portion Hoffnung. Glauben Sie daran, dass Ihre Bemühungen tatsächlich einen wichtigen Beitrag zu Ihrem langfristigen Erfolg leisten, fällt das Durchhalten gleich viel leichter. Die Positive Psychologie bietet eine Reihe von Übungen und Ansätzen, die Sie hierbei unterstützen können.

Grit ist nicht gleich Resilienz

“Grit” teilt damit gewisse Aspekte mit Resilienz, unterscheidet sich jedoch im Kern durch die Motivation der Person. Während es sich bei Resilienz um eine Reaktion oder Antwort auf eine herausfordernde Situation handelt (in Form von Anpassungs- und Widerstandsfähigkeit), wählt ein Mensch mit Grit das Level der Herausforderung selbst – und setzt die Latte hoch. Dabei ist ihm oder ihr bewusst, dass das Ziel nicht schnell oder problemlos erreicht werden kann. Trotzdem entscheidet sich eine Person mit viel Grit, dieses Ziel zu verfolgen, und zwar dann, wenn sie diesem Sinn beimisst. 

Selbstreflexion zum Thema Grit

Folgende Fragen können Sie dabei unterstützen herauszufinden, welche Rolle Grit in Ihrem Leben und in Hinblick auf Ihre langfristigen Ziele spielt: 

  • Lenken mich neue Ideen und Projekte schnell von langfristigen Zielen ab? 
  • Woran liegt es, wenn ich das Interesse an einer Idee verliere? An der bevorstehenden Herausforderung oder mangelnder Sinnhaftigkeit? Etwas anderem? 
  • Sind meine Ziele Teil eines größeren Ziels und empfinde ich dieses Ziel als Sinn stiftend? 
  • Welche langfristigen Ziele habe ich bereits gemeistert und welche Herausforderungen habe ich auf dem Weg dorthin überwunden? 
Ist Grit für mein Leben erstrebenswert? Soll ich…soll ich nicht? Danke an Pexels.com

Grit zur Gewohnheit machen 

“Grit ist, das Leben wie einen Marathon zu leben, nicht wie einen Sprint”, sagt Duckworth. 

Hier ließe sich ergänzen, dass ein Fokus auf die Sinnhaftigkeit, aus dem Marathon eine herausfordernde und erfüllende Wanderung zu machen, vor allem als Kompass dient, um die Richtung beizubehalten. 

Praktisch bedeutet das: 

  • Selbst wenn wir nur zehn Minuten pro Tag an etwas arbeiten, das uns Sinn schenkt und mit dem wir ein langfristiges Ziel erreichen möchten, kultivieren wir Grit und trainieren unser Durchhaltevermögen.
  • Holen Sie sich gegebenenfalls Unterstützung von einem Freund oder Kollegen, der sie unterstützt – oder arbeiten Sie mit einem Coach. 
  • Belohnen Sie sich, wann immer sie Zeit in ihr Herzensprojekt gesteckt haben – egal wie gut es lief. Bei Grit geht es nicht darum, alles perfekt zu machen, sondern darum, genau dann dran zum bleiben, wenn die Dinge mal nicht so laufen wie geplant… 

So können Sie Grit im Alltag kultivieren. 

Weiterführende Literatur: 

TEDtalk GRIT: The Power of Passion and Perseverance.  https://www.ted.com/talks/angela_lee_duckworth_grit_the_power_of_passion_and_perseverance

Buch GRIT – Die neue Formel zum Erfolg: Mit Begeisterung und Ausdauer ans Ziel von Angela Duckworth

Studie Duckworth, A. L., Peterson, C., Matthews, M. D., & Kelly, D. R. (2007). Grit: perseverance and passion for long-term goals. Journal of Personality and Social Psychology, 92(6), 1087.  

Selbstfürsorge gegen Reizüberflutung

Unsere Autorin Charlotte Friedrich hat sich in ihrer Forschungsarbeit im Bereich der Positiven Psychologie mit der Frage beschäftigt, was hochsensible Menschen tun, um sich im Alltag immer wieder zu stärken. Wir von DeSelfie finden das sehr spannend, denn von den Befragten können wir alle sehr viel lernen! Menschen, die besonders sensible Wahrnehmungskanäle besitzen nehmen noch viel mehr auf als wir, die wir uns vielleicht nicht so sensibel einschätzen. Das ist ein hochaktuelles Thema, denn schließlich sind viele von uns vielfachen, mehrdimensionalen Reizen ausgesetzt. Lesen Sie sieben Tipps, wie wir besonders gut Selbstfürsorge für uns betreiben können.

Wer viel wahrnimmt, sollte hin und wieder gut abschalten. Abtauchen aus Social Media.

Wie betreibe ich Selbstfürsorge?

7 Tipps zur besseren Selbstfürsorge

In Charlotte Friedrichs Forschung kristallisierten sich sieben Methoden als besonders hilfreich heraus:

  1. Zeit alleine und in Stille war die wichtigste Maßnahme für die Befragten, um ihre Energiespeicher wieder aufzufüllen.
  2. Bewusst mit dem Atem arbeiten: Hierzu zählten simple Techniken wie die Bewusstmachung und der Fokus auf den Atem in herausfordernden Situationen – aber auch weniger bekannte Atemtechniken, wie etwa “Holotropes Atmen” nach Stan Grof.
  3. Und ganz wichtig: Bewegung: Ob Spazierengehen oder Yoga, tägliche Bewegung spielte für die Befragten eine Schlüsselrolle als Ausgleich zu mentalen Herausforderungen.
  4. Erden: Eine simple Technik, die inzwischen wissenschaftlich viel Unterstützung findet. Die Füße oder den Körper in direkten Kontakt mit der Erde unter sich zu bringen oder wenn dies nicht möglich ist, diese Verbindung zu visualisieren, erlaubt es einigen Befragten, sich zentrierter und ruhiger zu fühlen – und Gefühle von Reizüberflutung zu reduzieren.
  5. Zeit in der Natur: Ein essentieller Energiegeber für viele der Hochsensiblen. Während manche besonders gerne im oder am Wasser waren, fanden andere bei einem kurzen Spaziergang im Wald wieder zu sich selbst. 
  6. Transzendentale Erfahrungen: Die Verbindung zu etwas Größerem als dem Selbst – wie zum Beispiel durch Meditation oder Flow- Erlebnisse – wurde von den Befragten als wichtig und hilfreich erlebt.
  7. Grenzen setzen: Öfter mal „Nein“ zu sagen oder soziale Aktivitäten zu reduzieren, wurde von den Befragten als wesentlich eingestuft, um das eigene Energielevel nicht zu erschöpfen.
Die Seele und die Füße öfter baumeln lassen. Für manche unter uns ein hartes Training…

Allerdings: Ohne Disziplin geht nichts

In der wissenschaftlichen Befragung wurde mehrfach von den Probanden betont, wie wesentlich eine disziplinierte Selbstfürsorge sei, um negativen Auswirkungen der Hochsensibilität vorzubeugen (wie Gefühle von Erschöpfung und Überforderung). Das bedeutet vor allem Regelmäßigkeit, wie etwa tägliche Bewegung, selbst wenn sich die Befragten nicht danach fühlten.

Fragen zur Selbstreflexion

  • Wie steht es um Ihre Selbstfürsorge?
  • Was füllt Ihre Energiespeicher auf, was leert sie?
  • Welche Methode könnte Ihr persönliches Selbstfürsorge-Repertoire erweitern? 

Weiterführende Literatur

Aron, E. (1996). The highly sensitive person: How to thrive when the world overwhelms you. New York: Broadway Books.

Barnett, J., Baker, E., Elman, N., & Schoener, G. (2007). In pursuit of wellness: The self-care imperative. Professional Psychology: Research and Practice, 38(6), 603–612. https://doi.org/10.1037/0735-7028.38.6.603

Brulé, D. (2017). Just breathe: mastering breathwork. New York: Enliven Books.

Cooper, T. M. (2014). The integral being: A qualitative investigation of highly sensitive persons and temperament-appropriate careers. California Institute of Integral Studies, California, San Francisco.

Franco, L., Shanahan, D., & Fuller, R. (2017). A review of the benefits of nature experiences: More than meets the eye. International Journal of Environmental Research and Public Health, 14(8), 864. https://doi.org/10.3390/ijerph14080864

Grof, C., & Grof, S. (2010). Holotropic breathwork: A new approach to self-exploration and therapy. State University of New York Press.

Oschman, J., Chevalier, G., & Brown, R. (2015). The effects of grounding (earthing) on inflammation, the immune response, wound healing, and prevention and treatment of chronic inflammatory and autoimmune diseases. Journal of Inflammation Research, 8, 83. https://doi.org/10.2147/JIR.S69656

Selbstreflexion unter Profis

Studienergebnis: Glücklich ist jener, der einen sensiblen Coach erwischt

Charlotte Friedrich hat sich in ihrer Forschung mit Hochsensibilität und der Frage beschäftigt, wie Profis, die hochsensibel sind, ihr Temperamentsmerkmal in der Arbeit mit Klienten erleben. Ein noch weitgehend unerforschtes Gebiet.

In der vergangenen Zeit haben wir gelernt, dass unsere Artikel nicht nur von interessierten “Selbstlernern” gelesen werden, sondern auch vielfach von Profis aus dem Fach. Von Systemikern – und von Therapeuten, Coaches, Organisationsentwicklern weiterer “Schulen”. Auch Führungskräfte lassen sich inspirieren. Finden wir gut, denn: Müssten nicht eigentlich alle Therapeuten, Berater, Coaches, ja und auch Führungskräfte, besonders selbstreflektiert sein? Am besten mehrere Psychotherapien durchlaufen haben – oder zumindest einen großen Willen zur lebenslangen Persönlichkeitsentwicklung und zur Selbstreflexion inne haben?  

Ja, da können wir von DeSelfie nur sagen: Es wäre sehr wünschenswert. In diesem Sinne freuen wir uns über unsere “Experten”-Rubrik – die natürlich auch alle anderen Leser lesen können, dürfen, sollen. Lesen Sie selbst.

Erst einmal atmen – meistens sehr hilfreich:-) – Danke an Unsplash Sommi

Verbundenheit mit und ohne Social Media

Dialogische Kommunikation als Kernkompetenz der Zukunft

DeSelfie kommentiert und verlinkt interessante Artikel, Projekte und Menschen für Schnell-Leser: heute ein Artikel aus dem Buch „Verbundenheit“ – herausgegeben von Gerald Hüther und Christa Spannbauer. Wir haben die Zeit genutzt, um Bücher zu lesen. Dieses hier passt besonders gut zu DeSelfie – vor allem der Artikel „Vom Ich zum Du zum Wir?“ von Barbara von Meibom. Eine Anregung zur Selbstreflexion.

DeSelfie: Verbundenheit, Kommunikation und Selbstreflexion – Danke an rawpixel

Methode zur Selbstreflexion: Systemische Filmanalyse

Bewusst einen Film sehen – und sich im Anschluss Fragen stellen

Es gibt viele Momente im Leben, die uns zur Reflexion inspirieren können. Oder anders herum gedacht: Wir können die Momente der Reflexion auch aktiv ins Leben holen, wenn wir das wollen. Einen oft sehr lohnenswerten Reflexionsraum bietet das Medium Film. Das heißt nicht, dass wir ab sofort und immer jeden Kino- oder Fernsehfilm, jede Netflix- oder Amazon-Prime-Serie analysieren, hinterfragen und mit uns selbst in Kontext betrachten und reflektieren müssen. Das wäre auf Dauer ganz schön anstrengend! Und verkopft!

Film als Raum für Selbstreflexion, Danke an Pixabay

Das Medium Film kann und darf natürlich auch einfach nur Spaß machen – dem Abschalten, Loslassen, Träumen, Abschotten von der Realität dienen. Keine Frage. Nicht umsonst beschäftigen sich ganze Forschungssstränge in der Medienpsychologie mit sogenannten „Uses-and-Gratification-Ansätzen“. Die befassen sich mit Eskapismus und Medienkonsum als Alltagsflucht. Wir alle wissen: Film kann zum Spannungsabbau extrem hilfreich sein.

Film einmal bewusst anschauen

Wenn wir Energie und Lust haben, Filme einmal anders anzuschauen, dann bietet sich die Systemische Filmanalyse an. Auf diese Art können wir uns ganz spezielle Filme bewusst heraussuchen – und diese einmal unter anderen Aspekten betrachtet anschauen. Also danach: erst einmal wirken lassen. Nicht sofort umschalten, twittern, weiterschalten, einen weiteren Film ansehen oder durch You-Tube-Kanäle skippen. Nein. Nach dem Schauen das Gesehene bewusst wirken lassen. Entschleunigen.

Programmfilm statt Blockbuster

In der Regel eignen sich dafür weniger typische Blockbuster. Was nicht heißt, das wir auch in bombastischen Hollywood-Filmen einen guten Resonanzboden für eigene Überlegungen und Haltungen finden könnten – sondern eher Programmfilme, die eine tiefere Reflexionebene zulassen. Filme, die Bezug zum eigenen Kulturkreis haben, die alltagsrelevante Themen zeigen, die eher wenig Hauptdarsteller und Nebendarsteller haben, die realitätsnahe Geschichten zeigen.

DeSelfie Systemische Filmanalyse – Danke an Freestocks.org

Film ist das Leben in 100 Minuten

Es gibt genügend Filme, die uns jene Grundthemen liefern, die uns auch im wirklichen Leben beschäftigen. Filmexperte Bernhard Moritz sagt: “Wirkungsvolle Filme versetzen uns in eine Art ,Übergang zwischen Sehnsucht und Erfüllung’. Sie arbeiten mit dem Erhalt dieses Zwischenzustands. Ein Film ist das Leben in 100 Minuten. Ein Film ist das Leben, aus denen man die langweiligen Stellen herausgeschnitten hat.“

Wirkungsvolle Filme liefern uns Grundthemen und Gegensätzlichkeiten aus dem klassischen Drama und der Idee der Heldenreise wie Erhaltung vs. Zerstörung, Triumph vs. Erniedrigung, Wahrheit vs. Täuschung, Erfolg vs. Misserfolg, Angriff vs. Flucht, gewohnte Welt vs. neue Welt, Sinn des Lebens, Karriere, Liebe, Altwerden.

Im Zentrum ist das Wie

Im Vergleich zur klassischen psychoanalytischen Filmanalyse können wir nach dem Schauen des Films die Chance nutzen, und nicht das Warum der Handlungen erforschen, sondern das Wie.

  • Wie geht die Heldin / der Held mit der Situation um?
  • Was zeichnet ihr / sein Verhalten  in bestimmten Situationen aus?
  • Wie kommt die Heldin / der Held zu seinen Entscheidungsfindungen?

Am Anfang steht die Filmauswahl

Wir können den Film alleine oder mit mehreren Personen anschauen. Zunächst gilt es die Auswahl zu überlegen. Welchen Film wähle ich aus? Ist er auf Netflix oder Amazon vorhanden, muss ich ihn als DVD besorgen?

Folgende Fragen können bei der Auswahl helfen:

  • Inwiefern fand der Film Anklang bei nationalen oder internationalen Film-Festivals und Filmkritik?
  • Inwiefern stimmen mich die Kritiken über den Film zuversichtlich, dass er bei mir Resonanz findet?
  • Was reizt mich generell an der Handlung?
  • Bietet der Film ein Grundthema, das mir wichtig ist und mit dem ich mich auseinandersetzen will?
  • Und die wichtigste Frage: Bin ich neugierig auf die Handlung – und bin ich neugierig, was die Handlung und das Gesehene, Gehörte, Erlebte bei mir (und anderen) auslöst?

Generell sind es eher die „leisen“ und scheinbar unspektakulären Filme, die das scheinbar Gewöhnliche zeigen, die am meisten in uns auslösen. Es geht häufig um Konfrontationen mit der Wirklichkeit, um Muster und Glaubenssätze, um das Scheitern als filmisches Element, um Paradoxien und Spannungen, um Übergangsphasen von dem einen zum anderen.

Reflexionsraum Film DeSelfie – Danke an Pexels

Zehn mögliche Fragen

Nachdem Sie den Film angesehen haben, bieten sich folgende zehn Fragen an. Sie sollten sich ausführlich Zeit dafür nehmen. Notieren Sie sich Ihre Gedanken auf ein Blatt Papier – oder bitten Sie einen in der Runde, wenn Sie mehrere Personen sind, die interessantesten Punkte mitzunotieren.

  1. Was hat der Film mit mir selbst zu tun?
  2. Was hat mich beeindruckt am Verhalten der Protagonisten?
  3. Bei welchen konkreten Szenen, die mir in Erinnerung sind, habe ich etwas gespürt?
  4. Bei welchen Personen im Film hatte ich das Gefühl, dass mir die Person bekannt vorkommt?
  5. Welche Filmperson berührt mich am meisten?
  6. Welche Filmperson löst andere Gefühle bei mir aus?
  7. In welchen Flmpersonen finde ich Anteile von mir selbst wieder?
  8. Welche Lösungsansätze im Film sprechen mich an, welche nicht?
  9. Was würden bestimmte Freunde / der Partner / die Eltern wohl sagen, was sie am Film berührt hätte?
  10. Welche Erkenntnisse aus dem Film möchte  ich für mich weiter verfolgen?

Viel Freude beim Schauen, Reflektieren, sich Finden und Analysieren!

Sie finden die Methode spannend?

In unserem Artikel über Selbstreflexion schreiben wir über weitere Resonanzräume, die wir als Anstoß für Selbstreflexion nutzen können.

Hier gibt es weitere Methoden zur Selbstreflexion.

Interessante Links

Wir von DeSelfie bedanken uns ganz herzlich bei den vielen guten Inspirationen von Bernhard Moritz, www.paarberatung-tirol.at – der Cineast unter den Systemischen Therapeuten. Vielen herzlichen Dank für die wunderbaren Inhalte und Impulse aus dem Seminar „Systemische Filmanalyse“.

Im angloamerikanischen Bereich hat Filmanalyse für Therapie und Coaching einen festen Platz. Wer sich für Cinema Therapy interessiert, findet hier eine wunderbare Schatzkiste an Filmen.

Methode: Selbstreflexion anhand bewältigter Krisen

Krisenprophylaxe? Dann am besten an “das Geschafft” denken!

Wenn wir von Selbstreflexion sprechen, dann geht es oft auch darum, wie wir mit vergangenen Krisen bisher umgegangen sind. Wie wir daraus gelernt haben – und welche Themen wir als unsere weiteren Entwicklungsaufgaben sehen. Sagen wir mal so: Die nächste Krise kommt bestimmt. Und dann fragen wir uns zurecht: Wie komme ich da bloß wieder raus? Wir von DeSelfie sagen: Kommt darauf an, in welcher Phase der Krise wir uns befinden!

Die folgende Methode bringt mehr Licht ins Dunkel: eine aktive Reflexionsarbeit in Phasen, orientiert an der “Veränderungskurve” von Richard K. Streich. Jeder kann sie still für sich machen – oder mit einem lieben Menschen zusammen und die Erkenntnisse teilen.

Selbstreflexion DeSelfie: eine Methode, um für Krisen gewappnet zu sein. Danke pexels.com

DeSelfie: Der Tag, an dem ich meine Mutter wurde

Wie sich psychologische Muster wiederholen

In ihrem “DeSelfie” – so heißen unsere persönlichen Erfahrungsberichte –  schreibt Nicole Zepter über ihre Erkenntnis: Ohne sich darüber bewusst gewesen zu sein, lebte sie Muster ihrer Mutter weiter. Der folgende Erfahrungsbericht ist ein Auszug aus ihrem Buch “Der Tag, an dem ich meine Mutter wurde”. Das Buch ist eine Spurensuche in das Unbekannte in ihrer Familie – “etwas, das uns scheinbar unbewusst zieht, uns leitet oder urplötzlich über uns hereinbricht, weil es immer schon da gewesen ist.”

Nicole Zepter für DeSelfie

Meine Mutter und mein unbekannter Vater

Freunde in Gehirn und Geiste

Herausgepickt: Freunde in Gehirn und Geiste

DeSelfie kommentiert und verlinkt interessante Artikel, Projekte und Menschen für Schnell-Leser. Forscher der University of California und Dartmouth College haben beste Freunde auf ihre Gehirnkompatibilität überprüft. Nicht ganz überraschend, haben Sie damit  das Sprichwort belegt: Gleich und Gleich gesellt sich gern!

Agilität und Entschleunigung

Warum eine Balance aus Agilität und Entschleunigung wichtiger wird

Nicht nur demokratische Prozesse sind in Zeiten von Digitalisierung und Flexibilisierung mit der immer stärker werdenden Gegensätzlichkeit von Tempo und bewusster Entschleunigung konfrontiert, sondern Veränderungsprozesse jeglicher Art. In uns Menschen. In Unternehmen. Gesellschaftlich. Als eine der wichtigsten Herausforderungen der Gegenwart und Zukunft sehen wir bei DeSelfie das Wahrnehmen der eigenen Verhaltensmuster. Dr. Astrid Dobmeier über die Entwicklung von Kernkompetenzen der Zukunft.

Entschleunigung oder Agilität? Oder beides gleichzeitig. Danke an Moose Photos

Smartphone als Teil von uns

Ein sehr gelungenes Radio-Feature über uns Handymenschen. Das Smartphone und wir.

Herausgepickt: DeSelfie kommentiert und verlinkt interessante Artikel, Projekte und Menschen für Schnell-Leser. Dieses Mal haben wir eine spannende Radioreportage auf Bayern 2 entdeckt: “Handyman. Eine Anatomie des digitalisierten Menschen” ist kein Science-Fiction, sondern ein Statusbericht unserer Zeit, beleuchtet von unterschiedlichsten Perspektiven – technologisch, psychologisch und gesellschaftlich. Sie sollten sich unbedingt eine Stunde in Ruhe Zeit dafür nehmen. Sind wir mal ehrlich: Wer gönnt sich heutzutage 54 Minuten Konzentration für eine Radio-Sendung “einfach so”? Ohne aufs Smartphone zu schauen?

Danke an rawpixel.com